SuedLink & SuedOstLink: Korridornetze veröffentlicht

30. September 2016

Die Übertragungsnetzbetreiber TenneT, Amprion und TransnetBW haben am 27.9.2016 Kartenmaterial mit Korridorvorschlägen für die Höchstspannungsgleichstrom-Verbindungen SuedLink und SuedOstLink veröffentlicht.

Dr. Peter Ahmels, Projektleiter des Bürgerdialog Stromnetz, erklärt in einem Interview, was das für Bürgerinnen und Bürger nun bedeutet.

Redaktion: Was genau haben die Vorhabenträger denn diese Woche veröffentlicht?

Dr. Peter Ahmels: Die Vorhabenträger oder Netzbetreiber haben diese Woche Karten und Beschreibungen der geplanten Stromtrassen ins Internet gestellt. Bei dem Kartenmaterial handelt es sich um ein Netz von Korridorvorschlägen. Die Vorhabenträger haben die ihnen bekannten Raumwiderstände in Karten eingetragen. Dort, wo die geringsten Raumwiderstände sind, ist ein Netz von Korridoren entstanden. Diese Korridore sind dann jeweils 500 bis 1000m breit. Über diese Korridore kann ab jetzt diskutiert werden. Die weiteren Verfahrensschritte werden zeigen, welcher Korridor am Ende am geeignetsten ist oder ob eventuell doch noch ein ganz anderer ins Spiel kommt.

Redaktion: Das heißt, die Veröffentlichung der Korridore ist nicht verbindlich oder rechtskräftig?

Dr. Peter Ahmels: Genau. Wir befinden uns gerade an einem sehr frühen Punkt des Verfahrens. Bisher sind lediglich die Anfangs- und Endpunkte der Vorhaben gesetzlich festgeschrieben und damit verbindlich. Die Vorhabenträger, TenneT, TransnetBW, Amprion und 50Hertz, werden auf der Basis dieser informellen Öffentlichkeitsbeteiligung innerhalb den nächsten 6 Monaten die Korridore nochmal überarbeiten. Diese werden dann in den Eröffnungsantrag auf Bundesfachplanung geschrieben. Das können auch mehrere Korridore sein. Erst mit Einreichung des Antrags bei der Bundesnetzagentur beginnt das formale Verfahren. Es wird auch von der Bundesnetzagentur geleitet. Da werden die Alternativen geprüft, die Öffentlichkeit erneut beteiligt und schließlich ein Korridor festgelegt. Dieser ist dann gesetzlich verbindlich. In diesem muss sich die Trasse dann bewegen.

Redaktion: Wenn mein Haus oder Stück Land nun genau in einem der Korridor liegt, was kann ich dann tun?

Dr. Peter Ahmels: Die Vorhabenträger TransnetBW und Tennet haben auf Ihren Webseiten eine Online-Karte für den SuedLink veröffentlicht. Dort können Bürgerinnen und Bürger Hinweise zu Widerständen im Raum eintragen, z.B. wenn Schutzgebiete oder Bebauungen dort noch nicht enthalten sind. Im Falle des SuedOstLinks gibt es eine einfache Online-Karte und die Möglichkeit direkt per Email mit den Netzbetreibern in Kontakt zu treten. Diese Optionen sollten Sie nutzen. Manchmal dauert es etwas, bis alle Gebietsänderungen in den Karten eingetragen sind. Je detailliertere Informationen Sie über die Landschaft mitteilen, desto besser können die Netzbetreiber planen.

Redaktion: Was tue ich, wenn ich den Stromnetzausbau grundsätzlich für unnötig halte?

Dr. Peter Ahmels: Die Frage nach dem Bedarf jedes einzelnen Vorhabens wird alle zwei Jahre im Szenariorahmen und bei der Netzentwicklungsplanung beantwortet. Auch hier können sich Bürgerinnen und Bürger, Verbände und Gebietskörperschaften beteiligen. Bisher wurden in diesem Prozess SuedLink und SuedOstLink mehrfach bestätigt. Sie werden also als notwendig für die Energiewende betrachtet. Wenn jemand dennoch damit nicht einverstanden ist und andere Lösungen vorschlagen möchte, muss er das auf politischer Ebene tun.

Redaktion: Es gab doch schon mal eine Planung für den SuedLink als Freileitung. Werden diese Pläne jetzt einfach wieder genutzt?

Dr. Peter Ahmels: Nein. Die Pläne für die Freileitung basieren noch auf der gesetzlichen Vorgabe, die gesamte Strecke als Freileitung zu planen. Am 01.01.2016 trat ein Gesetz in Kraft, das nun den Übertragungsnetzbetreibern vorschreibt, den Suedlink und SuedOstLink als Erdkabel zu planen. Diese Vorgabe löst eine völlig neue Planung gegenüber der Freileitung aus, starke Neigungswinkel an Hängen und Untergründe wie Moore scheiden zum Beispiel für die Erdverkabelung aus. Die Informationen über diese Gebiete fließen in die Planung ein. Dafür ist eine neue Vorgabe gekommen, möglichst gradlinig zu planen.

Redaktion: Wie kann mir der Bürgerdialog Stromnetz gerade helfen?

Dr. Peter Ahmels: Wir sind vor Ort und erklären den betroffenen Bürgern und Kommunen, wie sie sich nun beteiligen und in den Prozess einbringen können. Wir haben Regionalmanager mit Büros entlang der Suedlink- und SuedOstlink-Planungen. Wir sind vor Ort in Stade, Hannover, Magdeburg, Fulda, Kassel, Erfurt, Nürnberg und Regensburg. Dort stehen wir den Bürgerinnen und Bürgern mit Rat zur Seite. Wir sind demnächst auch auf Infomärkten und in Innenstädten mit unserem Dialogmobil unterwegs. Auf unserer Website www.buergerdialog-stromnetz.de sind die genauen Termine veröffentlicht. Natürlich finden Sie hier auch eine umfassende Frage- und Antwortsammlung rund um das Thema Gleichstromtrassen.

Redaktion: Der Bürgerdialog Stromnetz hat doch auch Veranstaltungen zum SuedLink gemacht? Wussten Sie da bereits, wo der SuedLink geplant ist?

Dr. Peter Ahmels: Nein. Wir haben im Vorfeld der Veröffentlichungen des Korridornetzes zwischen den beiden Luftlinien der beiden SuedLink-Vorhaben sieben Bürgerinformationsveranstaltungen abgehalten und allgemein informiert. Hier konnten sich interessierte Bürgerinnen und Bürger zum Beispiel zu Themen wie dem Planungsprozess und der Schritte zur Genehmigung, der Bedarfsermittlung, Naturschutz und Grundlagen der Technik informieren. Die Veranstaltungen sind gut angenommen worden. Wir wollten die Menschen so vor Ort darauf vorbereiten, dass die Veröffentlichung demnächst ansteht. Das ist uns gelungen. Wir halten den Stromnetzausbau für ein grundsätzlich wichtiges Thema, das in einer breiten Öffentlichkeit diskutiert werden muss. Wir stehen auch jetzt wieder bereit, um zwischen den Betroffenen und den beteiligten Akteuren zu vermitteln und einen Dialog zu ermöglichen.

Redaktion: Vielen Dank für das Gespräch.