Warum ist der Netzausbau notwendig?

Über viele Jahrzehnte haben Kernkraftwerke und große Gas- und Kohlekraftwerke in Süd- und Westdeutschland die dortigen Ballungsräume mit Strom versorgt. Bis zum Jahr 2022 werden die Kernkraftwerke schrittweise abgeschaltet und der Anteil der Erneuerbaren Energien soll bis zum Jahr 2030 mindestens 30 Prozent betragen. In Zukunft wird der Strom dezentraler und vor allen Dingen häufig weit entfernt von den Verbrauchszentren erzeugt. Vor allem der in Nord- und Ostdeutschland produzierte Windstrom muss zu den Verbrauchsschwerpunkten im Süden und Westen transportiert werden können. Zu bestimmten Zeiten kann es wiederum sein, dass der in Süddeutschland produzierte Solarstrom in den Norden übertragen werden muss.

Erneuerbare Energiequellen wie Wind und Sonne liefern zudem nicht durchgängig die gleiche Strommenge. Das führt dazu, dass bei der Stromerzeugung Schwankungen auftreten, die großräumig ausgeglichen werden müssen. Da Speichertechnologien auf absehbare Zeit noch teurer sind als Stromtransport, wird die Versorgungssicherheit am effizientesten über einen möglichst weiträumigen Netzverbund gewährleistet. Voraussetzung dafür sind mehr und leistungsfähige Verbindungen ins Ausland, sodass regionale Überschüsse abgegeben werden können oder fehlender Strom von dort geholt werden kann, wo er gerade günstig produziert wird. Erst der Stromexport und -import über einen gut ausgebauten Netzverbund ermöglicht eine vollständige und effiziente Integration aller erzeugten Erneuerbaren Energien.

Nur so werden fossile Reservekraftwerke, die momentan in Zeiten von geringer Wind- und Solarstromproduktion (sog. Dunkelflaute) einspringen, in Zukunft überflüssig. Solange Strom aus konventionellen Quellen als Reserve benötigt wird, fließt auch dieser durch die neu zu bauenden Leitungen, denn sie transportieren - wie das gesamte Netz - stets den gesamten Energiemix, der gerade produziert wird.

Die bestehenden Übertragungsleitungen sind für das großräumige Ausgleichen der Stromschwankungen, wie sie mit Erneuerbarem Strom auftreten, jedoch nicht ausgelegt und geraten an ihre Grenzen. Dass dem heute schon so ist, kann man in Norddeutschland bspw. daran erkennen, dass – trotz gutem Wind – sich nicht immer alle Windräder drehen – weil sie ihren Strom nicht mehr in das Netz einspeisen können, ohne es zu überlasten. Damit ganz Deutschland in Zukunft mit Erneuerbarem Strom versorgt werden kann, müssen mehrere tausend Kilometer Stromtrassen verstärkt oder neu gebaut werden.

All dies führt zu neuen Fragen rund um den Netzausbau: Wie wird der Ausbaubedarf überhaupt festgestellt? Welche Technik kommt dabei zum Einsatz? Gibt es Auswirkungen auf Anwohner, deren Gesundheit, die Umwelt, das Landschaftsbild oder die Nutzbarkeit der Böden?