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Häufige Fragen zum Thema Energiewende & Stromnetzausbau

Auf www.buergerdialog-stromnetz.de gibt es eine Karte mit den Ausbauvorhaben, über die sehr einfach zu erfahren ist, welche Vorhaben nach dem EnLAG (Gesetz zum Ausbau von Energieleitungen) oder dem BBPlG (Bundesbedarfsplangesetz) in Ihrer Region geplant sind. In den Steckbriefen zu den Vorhabenabschnitten finden sich weitere Informationen zum Planungsstand und - wenn vorhanden - zu den Projektseiten bei den zuständigen Netzbetreibern, den regionalen Planungsbehörden sowie der Bundesnetzagentur (BNetzA).

 

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Übersichten aller geplanten und abgeschlossenen Netzausbauprojekte sowie den aktuellen Planungsstand bieten auch die Bundesnetzagentur unter www.netzausbau.de und natürlich die Übertragungsnetzbetreiber unter www.netzentwicklungsplan.de.

 

 

 

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Über viele Jahrzehnte haben Kernkraftwerke und große Gas- und Kohlekraftwerke in Süd- und Westdeutschland die dortigen Ballungsräume mit Strom versorgt. Bis zum Jahr 2022 werden die Kernkraftwerke schrittweise abgeschaltet und der Anteil der erneuerbaren Energien soll bis zum Jahr 2030 mindestens 30 Prozent betragen. In Zukunft wird der Strom dezentraler und vor allen Dingen häufig weit entfernt von den Verbrauchszentren erzeugt. Vor allem der in Nord- und Ostdeutschland produzierte Windstrom muss zu den Verbrauchsschwerpunkten im Süden und Westen transportiert werden können. Zu bestimmten Zeiten kann es wiederum sein, dass der in Süddeutschland produzierte Solarstrom in den Norden übertragen werden muss.

Erneuerbare Energiequellen wie Wind und Sonne liefern zudem nicht durchgängig die gleiche Strommenge. Das führt dazu, dass bei der Stromerzeugung Schwankungen auftreten, die großräumig ausgeglichen werden müssen. Da Speichertechnologien auf absehbare Zeit noch teurer sind als Stromtransport, wird die Versorgungssicherheit am effizientesten über einen möglichst weiträumigen Netzverbund gewährleistet. Voraussetzung dafür sind mehr und leistungsfähige Verbindungen ins Ausland, so dass regionale Überschüsse abgegeben werden können oder fehlender Strom von dort geholt werden kann, wo er gerade günstig produziert wird. Erst der Stromexport und -import über einen gut ausgebauten Netzverbund ermöglicht eine vollständige und effiziente Integration aller erzeugten erneuerbaren Energien.

Nur so werden fossile Reservekraftwerke, die momentan in Zeiten von geringer Wind- und Solarstromproduktion (sog. Dunkelflaute) einspringen, in Zukunft überflüssig. Solange Strom aus konventionellen Quellen als Reserve benötigt wird, fließt auch dieser durch die neu zu bauenden Leitungen, denn sie transportieren - wie das gesamte Netz - stets den gesamten Energiemix, der gerade produziert wird.

Die bestehenden Übertragungsleitungen sind für das großräumige Ausgleichen der Stromschwankungen, wie sie mit erneuerbarem Strom auftreten, jedoch nicht ausgelegt und geraten an ihre Grenzen. Dass dem heute schon so ist, kann man in Norddeutschland bspw. daran erkennen, dass – trotz gutem Wind – sich nicht immer alle Windräder drehen – weil sie ihren Strom nicht mehr in das Netz einspeisen können, ohne es zu überlasten. Damit ganz Deutschland in Zukunft mit erneuerbarem Strom versorgt werden kann, müssen mehrere tausend Kilometer Stromtrassen verstärkt oder neu gebaut werden.

All dies führt zu neuen Fragen rund um den Netzausbau: Wie wird der Ausbaubedarf überhaupt festgestellt? Welche Technik kommt dabei zum Einsatz? Gibt es Auswirkungen auf Anwohner, deren Gesundheit, die Umwelt, das Landschaftsbild oder die Nutzbarkeit der Böden?

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Die konkreten Planungen für Stromtrassen und ihre notwendige Peripherie (Konverter, Umspannwerke, etc.) beginnen, nachdem das Bundesbedarfsplangesetz (BBPlG) vom Bundestag beschlossen wurde. Die konkrete Planung von Stromleitungen, die durch das BBPlG als energiewirtschaftlich notwendig eingestuft worden sind, erfolgt in zwei Schritten: in der Bundesfachplanung und anschließend in der Planfeststellung.

Beide Schritte verlaufen prinzipiell ähnlich: Auf einer durch den Vorhabenträger (jeweiliger Netzbetreiber) eingeleiteten Antragskonferenz der Bundesnetzagentur (BNetzA), bei der Betroffene, Umweltverbände und Behörden beteiligt werden, wird der Untersuchungsrahmen festgelegt. Sobald die festgelegten Untersuchungen abgeschlossen und die erforderlichen Unterlagen vollständig sind, wird im Rahmen der Bundesfachplanung über mögliche Trassenkorridore (500 bis 1.000 Meter breite Streifen) entschieden. Betroffene, Umweltverbände und Behörden können hier nicht nur Stellungnahmen, sondern auch alternative Verläufe des Trassenkorridors einbringen. Die BNetzA sammelt dabei Informationen zur Umwelt- und Raumverträglichkeit und entscheidet abschließend über den Trassenkorridor.

Auch das Planfeststellungsverfahren besteht aus einer durch den Vorhabenträger eingeleiteten Antragskonferenz, auf der ein Untersuchungsrahmen festgelegt wird. Nach dessen Abarbeitung entscheidet die Bundesnetzagentur wiederum unter Beteiligung der Öffentlichkeit und der betroffenen Behörden, wo und wie die Stromtrasse im Detail gebaut wird.

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Die Höchstspannungsnetze werden von den Übertragungsnetzbetreibern um- und ausgebaut.

In Deutschland gibt es vier Übertragungsnetzbetreiber: Die 50Hertz Transmission GmbH betreibt das Höchstspannungsnetz in Nord- und Ostdeutschland. Das Netzgebiet der Amprion GmbH erstreckt sich vor allem vom Westen und in den Südwesten Deutschlands. Das Netz der TenneT TSO GmbH zieht sich durch ganz Deutschland, von der Grenze Dänemarks bis zu den Alpen. Das Netzgebiet der TransnetBW GmbH liegt überwiegend in Baden-Württemberg.

Weitere Infos dazu finden Sie hier.

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Die Bundesnetzagentur (BNetzA) ist für die Bedarfsplanung und die Genehmigung des Stromnetzausbaus zuständig. Sie überprüft die Notwendigkeit von Vorhaben und nutzt bei der Konsultation des Szenariorahmens das Expertenwissen von Umweltverbänden und Behörden. Auch der von den Übertragungsnetzbetreibern entworfene Netzentwicklungsplan muss von der BNetzA bestätigt werden, bevor dieser als Entwurf für den Bundesbedarfsplan gilt, in dem die energiewirtschaftliche Notwendigkeit der einzelnen Vorhaben festgelegt wird.

Bei Vorhaben, die in die Zuständigkeit der BNetzA fallen (z.B. länderübergreifende Vorhaben) entscheidet die BNetzA nach der sogenannten Bundesfachplanung über die Trassenkorridore. In der darauffolgenden Planfeststellung legt ebenfalls die BNetzA die genauen Trassenverläufe der länder- und grenzüberschreitenden Vorhaben fest.

Je nach Stand der Planungen spricht die BNetzA in den unterschiedlichen Verfahrensschritten verschiedene Gruppen an, geht es um Grundsätzliches, kann sich jede Bürgerin und jeder Bürger einmischen. Das Verfahren zum Netzausbau gliedert sich in fünf Schritte: in den Szenariorahmen, die Netzentwicklungspläne plus Umweltbericht, den Bundesbedarfsplan, die Bundesfachplanung/Raumordnung sowie die Planfeststellung. In fast allen Schritten ist Beteiligung vorgesehen, mit Ausnahme des Bundesbedarfsplans (Gesetzgebungsprozess). Im Szenariorahmen und bei den Netzentwicklungsplänen sind die gesamte Öffentlichkeit, Träger öffentlicher Belange sowie Umweltvereinigungen und Verbände zur Beteiligung aufgerufen. Während der Bundesfachplanung kann jeder Hinweise, bspw. zu Naturschutz oder neuen Wohngebieten einbringen, die die Übertragungsnetzbetreiber womöglich in ihren Planungen noch nicht berücksichtigt haben. Die umfassende Beteiligung von Behörden, Vereinigungen und der Öffentlichkeit ist wichtig, weil der am Ende der Bundesfachplanung festgelegte Trassenkorridor für die folgende Planfeststellung verbindlich ist. Die Antragskonferenz des letzten Verfahrensschrittes, der Planfeststellung, ist ebenfalls öffentlich. Einwendungen im nach­folgenden Erörterungstermin können allerdings nur betroffene Privatpersonen, Träger öffentlicher Belange, Umweltvereinigungen und Verbände einreichen.

Für die tatsächliche Umsetzung der Um- und Ausbauvorhaben sind die Übertragungsnetzbetreiber verantwortlich. Die BNetzA sorgt als Genehmigungsbehörde dafür, dass die Netze bedarfsgerecht ausgebaut werden. Dafür übernimmt sie folgende Aufgaben:

Die Bundesnetzagentur

  • prüft und genehmigt den Szenariorahmen unter Berücksichtigung der Konsultationsergebnisse
  • prüft und bestätigt den Netzentwicklungsplan
  • bewertet die Umweltauswirkungen der Vorhaben und erstellt einen Umweltbericht
  • übermittelt der Bundesregierung den Netzentwicklungsplan zusammen mit dem Umweltbericht als Entwurf für den Bundesbedarfsplan
  • prüft und genehmigt die Anträge auf Bundesfachplanung
  • lädt zur Bundesfachplanung und leitet diese bis zur Entscheidung über mögliche Trassenkorridore
  • Prüft und genehmigt die Vollständigkeit und Angemessenheit der Untersuchungsunterlagen
  • Leitet das Planfeststellungsverfahren, in dem der genaue Trassenverlauf und die zur Anwendung kommende Technik festgelegt werden
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Um bei länderübergreifenden Vorhaben die zeitaufwendigen Abstimmungen zwischen den Ländern zu vermeiden, hat das Netzausbaubeschleunigungsgesetz (NABEG) 2011 die Zuständigkeit für diese Vorhaben der Bundesnetzagentur (BNetzA) zugewiesen.

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Für den Ausbau an Land gehen die Übertragungsnetzbetreiber von etwa 16 Milliarden Euro aus. Darin nicht berücksichtigt allerdings sind mögliche Mehrkosten durch Erdverkabelungen. Sie betragen nach Angaben des BMWi etwa 8 Mrd. Euro. Der Offshore-Netzausbau ist mit 19 Milliarden Euro veranschlagt.

Diese Kosten sind allerdings ins Verhältnis zu den Kosten eines „Nichtausbaus“ zu setzen: Zum Beispiel betrugen die Kosten für das sogenannte Redispatch (händisches Nachregeln des Netzes durch z.B. Abschalten von stromerzeugenden Anlagen aufgrund von Netzüberlastung in einer Region, Einkauf von zusätzlichem Strom in anderen Regionen) im Jahr 2015 knapp 1 Milliarde Euro.

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Das Stromnetz in Deutschland ist unterschiedlich stark ausgelastet. Das hängt ab von der Tageszeit, dem Wochentag und der Jahreszeit ab. Aufgrund noch nicht ausreichend vorhandener Speicherkapazitäten müssen sich Verbrauch und Erzeugung zu jedem Zeitpunkt die Waage halten. Die Belastung soll aber im Regelfall (d.h. alle Komponenten funktionieren) 60% der Leitungskapazität nicht überschreiten. Diese Begrenzung gilt, damit im Notfall (bspw. Ausfall eines Streckenabschnitts) ein benachbarter Teilabschnitt den Stromtransport komplett übernehmen kann (siehe vermaschtes Netz).

1824

Für den Netzausbau gilt das NOVA-Prinzip. NOVA= Netzoptimierung vor Verstärkung vor Ausbau, d.h. zunächst sind bestehende Stromleitungen optimal auszunutzen und bei Bedarf zu verstärken. Erst wenn ihre Kapazitäten ausgeschöpft sind, werden neue Leitungen geplant. Das kann auch bedeuten, dass alte Trassen abgebaut und neue Stromtrassen naturverträglicher in die Landschaft und das Siedlungsgefüge eingepasst werden. Betroffene Anwohner sollten daher die Chance nutzen, sich in die Planungen einzubringen, um den Trassenverlauf auch bei geringen Handlungsspielräumen zu optimieren.

1825

Den Gebietsstreifen, in dem der bestmögliche Weg für den eigentlichen Stromtrassenverlauf gesucht wird, bezeichnet man als Trassenkorridor. Dieser Suchraum kann bis zu einem Kilometer breit sein. Von Vorzugs-/Vorschlagskorridor wird gesprochen, wenn der zuständige ÜNB aus mehreren möglichen Trassenkorridoren einen als beste Variante vorgeschlagen hat.

1826

Vermaschtes Stromnetz bedeutet, dass das Stromnetz in Deutschland in vielen Stellen miteinander verbunden ist – ähnlich einem Fischernetz. Jede beliebige Stelle im Netz wird also immer von zwei Seiten „versorgt“. Der Vorteil: Treten Störungen auf und ist ein Ausfall auf einem Leitungsabschnitt zu befürchten, kann die Versorgung trotzdem gewährleistet werden. Der fehlerhafte Teil wird ausgeschaltet und die Stromversorgung findet „von der anderen Seite“ aus statt. Allerdings funktioniert dieses Versorgungssystem auf der Höchstspannungsebene bisher nur mit Wechselstrom. Für Gleichstrom gleicher Spannungsebene gibt es noch keine Schalter, so dass auch kein „vermaschtes Netz“ betrieben werden könnte. Das Höchstspannungsnetz kann deshalb noch nicht komplett auf Gleichstrom umgestellt werden. HGÜ wird deshalb zunächst auf bestimmte Punkt-zu-Punkt-Verbindungen beschränkt bleiben, wie die drei Nord-Süd-Korridore (siehe Korridor A bis D). Im Höchstspannungsnetz werden deshalb beide Arten der Stromübertragung nebeneinander bestehen: Gleichstrom und Wechselstrom (Drehstrom). Wie sich die HGÜs im vermaschten Netz verhalten, wurde in unterschiedlichen Pilotprojekten getestet.

1828

Grundsätzlich können elektrische und magnetische Felder zu Wirkungen im menschlichen Körper führen. Ausschlaggebend ist dabei die Stärke und Frequenz der Felder. Deshalb gelten für den Ausbau und Betrieb von Stromleitungen verschiedene gesetzliche Grenzwerte. Diese sind so festgelegt, dass auch für besonders empfindliche Personengruppen wie Kinder, kranke und alte Menschen, die nachgewiesenen gesundheitsrelevanten Wirkungen sicher vermieden werden. Darüber hinaus gibt es weitere Vorschriften, die dem Vorsorgegedanken Rechnung tragen: Freileitungen dürfen nicht mehr neu über Wohngebäude geplant werden. Einen informativer Animationsfilm des Bundesamtes für Strahlenschutz zu Thema finden sie hier

1829

Gängige Masten sind die sogenannten Tonnen-, Donau-, Lyra- und Tannenbaummasten. Freileitungsmaste in der 380 kV-Ebene sind zwischen 50 und 75 m hoch. Die Höhe der Masten ergibt sich aus der zu überspannenden Länge zwischen zwei Masten und dem zu erwarteten Durchhang der Seile. Nach den Normen EN 50341 und DIN VDE 0210 müssen Freileitungsseile einen bestimmten Mindestabstand zum Boden bzw. zu in Bodennähe befindlichen Objekten (wie z. B. Gebäuden, Maschinen, u.ä.) einhalten. Der Seildurchhang berechnet sich nach der thermischen Belastung der Seile (anliegenden Spannung und Stromfluss) und verschiedenen Einflussfaktoren, wie der Windlast und der Eislast. Je nach Fläche, Nutzung und Gebäude liegt der Mindestabstand durchschnittlich zwischen 5m und 8m. Werden mehrere Stromsysteme auf verschiedenen Spannungsebenen in einen Mast gehängt, gilt es noch, den elektrischen Mindestabstand zwischen den Seilen zu berücksichtigen. Prinzipiell sind auch andere Mastformen denkbar. Über neue Mastformen und Möglichkeiten der Raumwirkung, bestenfalls solche, die die Höhe und Breite der Trassenverläufe und Einwirkungsbereiche verringern, wird nachgedacht. (In Frankreich und Niederlande bspw. sind Vollwandmasten in der Höchstspannung im Einsatz, bspw. der bis zu 60m hohe sogenannte Wintrack-Mast. Die geringere Trassenbreite und schlankere Optik macht ihn unauffälliger im Landschaftsbild – Amprion und TenneT testen neue Masten, allerdings sind aufgrund von Normen und Gesetzesvorgaben in Deutschland diese nicht eins zu eins übernehmbar).

1830

Als Korridore A bis D werden die vier geplanten Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitungen bezeichnet, die den Strom aus dem Norden über weite Strecken nach Süddeutschland transportieren sollen. Bei der Einigung des Koalitionsausschusses zur Energiepolitik (Juli 2015) wurde unter anderem beschlossen, bei neuen Gleichstrompassagen (HGÜ – Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung) den Erdkabeln Vorrang vor Freileitungen zu geben. Die Mehrkosten werden mit der deutlich höheren Akzeptanz in der Bevölkerung begründet.

  • Korridor A: Das Vorhaben Emden/Borßum – Osterath bildet den nördlichen Teil des Korridor A und wird von Amprion und TenneT geplant. Den südlichen Teil des Korridor A, von Osterath nach Philippsburg (Ultranet) plant Amprion gemeinsam mit TransnetBW. Dort wird auf einer bestehenden HöchstspannungsDrehstromÜbertragungs (HDÜ)-Trasse (Wechselstrom) ein System mit 3 Leiterseilen umfunktioniert. Es leitet dann Gleichstrom statt wie bisher Wechselstrom, um eine größere elektrische Leistung zu transportieren. Das zweite System auf dem Gestänge transportiert weiterhin Wechselstrom. Ultranet wird deshalb auch als Hybrid-Leitung bezeichnet.
  • Korridor B: Gleichstrompassage Wehrendorf (Niedersachsen) bis Urberach (Hessen) – diese Strecke ist bisher nicht von der BNetzA als notwendig eingestuft worden.
  • Korridor C: Der Korridor C ist mit 800 km von der Nordsee bis Bayern/Baden-Württemberg die längste geplante Gleichstrompassage und wird auch Suedlink genannt. Innerhalb des Suedlinks gibt es zwei Verbindungen: Zum einen zwischen Wilster (bei Hamburg) und Grafenrheinfeld (Bayern), zum anderen zwischen Brunsbüttel (Schleswig-Holstein) und Großgartach (Baden-Württemberg). Auf weiten Strecken sollen beide Verbindungen gemeinsam auf einer Stammstrecke geführt werden. Verantwortliche Übertragungsnetzbetreiber sind TenneT und TransnetBW. Der Suedlink soll sicherstellen, dass der Strom, der durch Windenergie im Norden gewonnen wird, in den Verbrauchszentren Süddeutschlands ankommt. Das am 2. Juli 2015 vom Koalitionsausschuss vorgestellte Eckpunktepapier zur Einigung in der Energiepolitik schreibt fest, dass der Netzknotenpunkt Grafenrheinfeld entlastet werden soll, z.B. in dem die Stammstreckenführung nicht über Grafenrheinfeld nach Großgartach führen soll. Stärker als bisher sollen schon bestehende Stromtrassen genutzt werden.
  • Korridor D: Die im Netzentwicklungsplan als Korridor D bezeichnete Leitung wurde von den beteiligten Übertragungsnetzbetreibern in der Vergangenheit auch als »Gleichstrompassage Süd-Ost« bezeichnet. Momentan wird auch der Begriff Ostlink für diese Strecke benutzt. Er soll als Neubaumaßnahme zwischen den Umspannwerken Wolmirstedt in Sachsen-Anhalt und Isar in Bayern als Erdkabel realisiert werden. (Zuvor sollte die Gleichstrompassage Süd-Ost von Lauchstädt (Sachsen-Anhalt) bis nach Meitingen (Bayern) verlaufen, dies wurde im NEP 2024 geändert.) Zuständig für den Um- und Ausbau der Strecke sind die Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz und TenneT.
1807

Momentan wird auf der Höchstspannungsebene in Deutschland Energie vor allem mit Höchstspannungs-Drehstrom-Übertragungsleitungen (HDÜ) übertragen. Auf weiten Strecken, wie z.B. bei den geplanten, großen Nord-Süd-Trassen, wären die Verluste einer HDÜ-Übertragung jedoch zu hoch. Deshalb werden die neuen, großen Stromtrassen mit der HGÜ-Übertragungstechnologie geplant, die schon seit langem bei der Stromübertragung z. B. per Seekabel zu Einsatz kommt. Welche Spannungsebene dabei zum Einsatz kommt, ist noch nicht endgültig geklärt. Üblich sind bisher Spannungen bis zu 320 Kilovolt. Neuerdings werden auch Kabelsysteme bis 525 Kilovolt (kV) angeboten. Sie haben die doppelte Übertragungskapazität und deshalb könnten die Trassen mit weniger Kabeln ausgekommen.

1831

Raumwiderstände sind zunächst für alle „Güter“ gleich hoch. Sie werden im Verfahren aber unterschiedlich hoch gewichtet und tragen damit der Situation vor Ort Rechnung.

1813

Elektrischer Strom, der seine Stärke und seine Richtung zeitlich nicht verändert, wird als Gleichstrom bezeichnet. Im Unterschied dazu ändert Wechselstrom seine Fließrichtung in einer regelmäßigen Frequenz: in Westeuropa 100 Mal pro Sekunde, dies ergibt eine Frequenz von 50 Hertz. „Drehstrom“ ist eine besondere Form des Wechselstroms. In einem Generator wird der Strom in drei Spulen mit einem leichten zeitlichen Versatz erzeugt und mit drei Leitern (Phasen) abgeführt. Drehstrom ist also ein 3-facher Wechselstrom. Wechselstrom hat sich für die Stromübertragung durchgesetzt, weil er technisch einfacher zu handhaben ist und leichter auf die verschiedenen Spannungsebenen umzuwandeln ist.

1832

Die Übertragungsnetzbetreiber beauftragen in der Regel ein oder mehrere Planungsbüros für das jeweilige Vorhaben. Deren Aufgabe ist es unter anderem, die Raumwiderstände abzuwägen. Entschieden wird am Ende durch die verantwortliche Genehmigungsbehörde des Landes.

1814

Man kann Strom mittels Elektrolyse in Wasserstoff/Methan umwandeln und ins Erdgasnetz einspeisen. Dort kann es an anderer Stelle entnommen und zu Strom umgewandelt werden (Rückverstromung). Diese Technologie wird durchaus diskutiert, sie ist aber noch nicht im großen Maßstab erprobt. Es gibt große Forschungsprojekte, die sich damit befassen. Als Speichertechnologie ist diese Technologie durchaus zu berücksichtigen. Auch lokal kann die Technologie sinnvoll funktionieren, wenn z.B. der Windstrom eines Windparks mittels Elektrolyse in einer Erdgas-Tankstelle vor Ort genutzt wird. Demo-Anlagen gibt es dazu z.B. in Berlin. Die anfängliche Euphorie ist etwas verflogen, denn nach derzeitigen Erkenntnissen ist die Power-to-gas Technologie noch zu teuer, auf jeden Fall teurer als der Netzausbau. Eine Rückverstromung (und damit zweifache Umwandlung von Strom zu Gas zu Strom) ist zudem mit hohen Energieverlusten von etwa 50% verbunden und damit nicht sehr effizient. Die Power-to-Gas-Technologie ist deshalb aktuell noch nicht geeignet, um den Netzausbau im großen Stil zu ersetzen.

1833

Der Bürgerdialog Stromnetz kann nur über den gesetzlich festgeschriebenen Planungsstand der Vorhaben informieren. Alle weiteren projektbezogenen Informationen, Aktualisierungen, etc. erhalten Sie bei den zuständigen Netzbetreibern und den zuständigen Planungsbehörden. Wir helfen Ihnen gern mit Kontaktdaten und Hinweisen auf die Projektseiten der verschiedenen Beteiligten.

1815

Welches die zuständige Planungsbehörde ist, hängt davon ab, ob ein Vorhaben in nur einem Bundesland liegt, oder ob es sich um länder- oder grenzüberschreitende Vorhaben handelt. Vorhaben, die nur in einem Bundesland liegen, werden von den zuständigen Landesbehörden geprüft. Bundesland überschreitende Vorhaben liegen in der Verantwortlichkeit der Bundesnetzagentur (BNetzA). Innerhalb der Bundesfachplanung überprüft die BNetzA immer verschiedene Alternativen einer möglichen Verbindung und sucht die Trasse mit den geringsten Umweltauswirkungen. Wenn die BNetzA einen Korridor bestätigt hat, steht verbindlich fest, dass die Trasse in diesem verlaufen wird. Wo genau innerhalb eines 500 bis 1.000 Meter breiten Trassenkorridors die neue Stromtrasse verlaufen soll, wird im folgenden Planfeststellungsverfahren entschieden. Wir können Ihnen bei der Suche nach Informationen zum konkreten Planungsstand einzelner Vorhaben behilflich sein, indem wir Ihnen Kontakte zu Bürgerreferenten und Ansprechpartnern der Übertragungsnetzbetreiber vermitteln oder Sie über weitere Informationsseiten zu den Projekten leiten.

1816

Auf dem Portal der Bundesnetzagentur oder des Bürgerdialog Stromnetz wird der gesetzlich bestätigte Stand der Vorhaben beim Netzausbau in Steckbriefen und Karten dargestellt. Die Übertragungsnetzbetreiber können unter Umständen schon zu darüber hinausgehenden Planungen informieren (wie sie bspw. im 2. Entwurf des Netzentwicklungsplans 2014 (NEP 14) enthalten sind). Da eine gesetzliche Bestätigung dieser Änderungen jedoch noch aussteht, berücksichtigen wir sie in unserer Kommunikation nicht. Der Bürgerdialog Stromnetz sammelt in den Vorhabensteckbriefen, die über die Postleitzahlen-Suche aufgerufen werden können, die Kontaktinformationen der Planungsbehörden und Übertragungsnetzbetreibern und verlinkt zu deren Projektseiten. Diese enthalten unter Umständen bereits aktuelle Änderungen, die gesetzlich noch nicht bestätigt sind. So können sich Bürgerinnen und Bürger einen Überblick über die Bandbreite der Informationen zu den Vorhaben verschaffen.

1817

Der steigende Anteil von erneuerbar erzeugtem Strom fordert eine höhere Flexibilisierung der Energieinfrastruktur. Die Stromnetze müssen den veränderten Erzeugungsstrukturen und neuen Energiemarkt-Regeln angepasst werden. Neben dem Netzausbau auf der Verteilnetz- und Transportnetzebene spielen auch der dezentrale Einsatz von Batteriespeichern, die Sektorenkopplung (dezentrale Nutzung des erneuerbar erzeugten Strom in den Bereichen Wärme und Verkehr) und eine intelligente Steuerung von großen Lasten und Verbrauchern ein bedeutende Rolle bei der Flexibilisierung des Energiesystems. Ob und in welchem Maße der dezentrale Einsatz von Flexibilitäten den aktuell geplanten Ausbau im Übertragungsnetz beeinflusst, ist zurzeit Thema in der Energieforschung. Nach aktuellem Stand dieser Forschungen kann eine dezentrale Stromerzeugung den Netzausbau nicht vermeiden.

1818

Bayern könnte mit Windanlagen die Energie erneuerbar produzieren, die durch den Wegfall der Kernkraftwerke bis 2022 vor Ort nötig macht. Die in Bayern beschlossene 10-H-Regelung erschwert jedoch den Bau von neuen Windrädern: Nach dieser Regelung müssen Windräder von der nächsten Wohnbebauung mindestens soweit entfernt sein, wie es ihrer zehnfachen Höhe entspricht.

1819

Die derzeitige Verzögerung im Netzausbau resultiert zum einen Teil aus neuen gesetzlichen Vorgaben zum Leitungsbau (Erdkabelvorrang) und den daraus resultierenden Herausforderungen bei der technischen Planung.

1820

Der Netzausbau im Übertragungsnetz wird Auswirkungen auf die Lebensräume von Mensch und Natur haben. Die Intensität dieser Auswirkungen hängt insbesondere von der technischen Ausführung (Freileitung oder Erdkabel) und der Dimensionierung der neuzubauenden Leitungen ab. Neben den objektiv bestimmbaren Auswirkungen (elektromagnetischen Felder, Bodenschutz, Vogelschlag, etc.) gibt es auch eher subjektive Auswirkungen: bspw. die Auswirkungen des Netzausbaus auf das Landschaftsbild. Ziel muss es sein, den Netzausbau nach den geltenden Gesetzen des Verbraucherschutzes sowie des Natur-, Umwelt- und Artenschutzes unter der bestmöglichen Berücksichtigung zu realisieren. Dazu ist die frühzeitige Beteiligung von betroffenen Bürgerinnen und Bürgern dringend erforderlich und zielführend.

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