Ihr Feedback zu diesem Internetauftritt würden wir sehr begrüßen

Dieses wird unabhängig durch das Deutsche Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung Speyer (FÖV) erhoben. Hier geht es zum Feedback-Formular (externe Internetseite).

Bürger fragen - Wir antworten

Grabentiefe Erdkabel

Auf welche Vorgaben stützt sich die von den Netzbetreibern gewählte Grabentiefe? Wie wird die notwendige Überdeckung festgelegt, insbesondere im Bereich landwirtschaftlicher Flächen?

Frage von Jan t 13. Dezember 2021
Bürgerdialog Stromnetz Signet

Antwort von der Redaktion

Sehr geehrter Herr Tenbrock, 

vielen Dank für die Anfrage. Gerne beantworten wir Ihnen diese. 

Die Grabentiefe bei der Erdkabelverlegung liegt bei rd. zwei Metern. Diese kann individuell schwanken und voneinander abweichen. Maßgeblich für die standortabhängige Grabentiefe sind dabei z.B. der anstehende Boden sowie das Grundwasserverhältnis. Das Erdkabel wird nicht unmittelbar unterhalb der obersten Bodenschicht und nicht zu tief in den Boden verlegt. Hintergrund hierbei ist die Zielsetzung, nach der Baumaßnahme, eine erneute Bepflanzung der Fläche zu ermöglichen. Außerdem stellen mögliche Reparatur – oder Sanierungsarbeiten einen wesentlichen Faktor dar. Der hiermit zusammenhängende Aufwand sollte möglichst gering und bodenschonend sein, wodurch die Grabentiefe begrenzt ist. Zudem ist das aufzubringende Bettungsmaterial unterhalb der Erdkabel hinsichtlich der Grabentiefe zu berücksichtigen und zu bemessen. Bei der Verlegung von Erdkabeln ist der Ursprungszustand wiederherzustellen. Hierbei sind im Zuge der Baumaßnahmen die ausgehobenen Bodenschichten einzeln zu sortieren sowie zwischenzulagern. Die zwischengelagerten Bodenschichten sind anschließend im Sinne des Bodenschutzes wieder so zu verfüllen, dass der Ursprungszustand wieder hergestellt wird.

Die Überdeckung der jeweiligen Flächen ist so zu wählen, dass das Bodenmaterial vor Erosionen, wie z.B. Wind oder Wasser, geschützt ist. Dies kann mit Hilfe einer Pflanzenkultur geschehen, welche von einer schnellen Begrünung geprägt ist. Auf landwirtschaftlich genutzten Flächen ist die Kultur, welche nach der Baumaßnahme aufgebracht wird so zu wählen, dass die Wurzeln nicht bis auf die Tiefe der Erdkabel wachsen. Dies gewährleistet den Schutz der Erdkabel vor Beschädigungen durch Wurzeleinwuchs. Mögliche Kulturen, deren Wurzeltiefe geringer als 2 Metern sind, stellen z.B. Mais, Kartoffel, Roggen oder die Wintergerste dar.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Bürgerdialog Stromnetz-Team

2 Kommentare

Kaspar Apfelböck

Wenn ich es recht verstehe, ist die Grabentiefe von 2 m eine Mindesttiefe, auf der die Erdkabel verlegt werden müssen. Daraus ergeben sich insbesondere folgende Fragen:
– Besteht ein Unterschied, ob die Leitungen für Gleichstrom oder für Wechselstrom betrieben werden?
– Wie breit ist der Aushubstreifen einschlließlich der Flächen für die Zwischenlagerung bei den Bauarbeiten?
– Welche Zuwegungen für Reparatur- und Wartungsmaßnahmen sind erforderlich?
– Wie tief muss der Bodenaushub vor der Verlegung sein, da noch eine Bettung (z.B. eine Kiesschicht oder Beton?) eingebracht werden muss?
– Wie tief müssen die Kabel verlegt werden, wenn Straßen oder Gewässer, zum Beispiel auch größere Flüsse oder Kanäle, und deren Ufer unterquert werden müssen?
– Wie ist es in einem hügeligen Gelände? Wie in einem festgesetzten Überschwemmungsgebiet?
– Spielt generell das Grundwasserniveau eine Rolle?
– Es dürfen keine tieferwurzelnden Pflanzen angebaut werden: Wie wird dann bei der Verlegung in landschafts- und naturgeschützten Flächen, insbesondere mit Baumbewuchs z.B. auf Bach- und Flussufern, verfahren?

Redaktion Bürgerdialog Stromnetz

Sehr geehrter Herr Apfelböck,
vielen Dank für die Anfrage. Gerne beantworten wir Ihnen diese.
Grundsätzlich besteht kein Unterschied, hinsichtlich der notwendigen Grabentiefe, ob die Leitung als Wechsel- oder Gleichstrom errichtet wird. Allerdings werden auf Höchstspannungsebene i.d.R. Erdkabel nur bei Gleichstromleitungen eingesetzt und aufgrund anderer physikalischer Bedingungen nicht bei Wechselstrom. Es gibt im Wechselstrombereich lediglich einige Erdkabel-Pilotprojekte, die gesetzlich als solche gekennzeichnet wurden und bei denen eine Prüfung einer Teilerdverkabelung möglich ist. Eine gesamte Wechselstromleitung als Erdkabel zu verlegen ist aus technischen Gründen nicht sinnvoll. Hintergrund hierbei ist der höhere Energieverlust bei Wechselstromleitungen.
Eine konkrete Vorgabe zu einer Mindesttiefe für die Verlegung der Erdkabel gibt es nach aktuellem Stand nicht. In der Praxis haben sich hierbei bereits Tiefen ab ca. 1,60 Meter als umsetzbar und geeignet erwiesen, wobei die Bettung (z.B. Sand oder Kies) bereits in der Tiefe mit berücksichtigt ist. Daher ist die Festlegung der Verlegetiefe individuell und standortabhängig festzulegen. Die Aushubbreiten bzw. Trassenbreiten bei der Verlegung von Erdkabeln hängt von verschiedenen Faktoren ab: z.B. das vorhandene Bodenmaterial, die damit zusammenhängende Anzahl der Bodenmieten (Bodenmaterial als Haufwerk aufgeschüttet) sowie die Anzahl der zu verlegenden Kabelsysteme.
Bei einer Gleichstromleitung als Erdkabel im Höchstspannungsbereich – die als Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) bezeichnet wird – können Trassen mit einer Breite von 40 Metern in der Bauphase zu Stande kommen. Je nachdem, wieviel Strom durch die Leitung fließen soll und welche Stromstärke die Kabel (320kV, 380 kV oder mehr) übertragen können, können in der Regel bis zu vier Kabelgräben erforderlich werden. Der Übertragungsnetzbetreiber TenneT schreibt dazu: „Die gesamte Trassenbreite einer Stammstrecke im Betrieb beträgt circa 30 Meter. Sie umfasst bis zu vier Kabelgräben inklusive Zwischenräume sowie äußere Schutzabstände von jeweils 3 Metern. Der Arbeitsstreifen hat während der Bauarbeiten eine Breite von etwa 40 Meter, die abhängig von lokalen Bedingungen und Bodenverhältnissen variieren kann. Das hängt im Wesentlichen von der Anzahl der zu trennenden Bodenschichten sowie der Anzahl und Breite der Baustraßen ab.“ (Quelle: https://www.tennet.eu/fileadmin/user_upload/Our_Grid/Onshore_Germany/SuedLink/sl_korridor_1703/SuedL_Broschuere_HGUE_Technik.pdf)

Für Wechselstrom Erdkabel-Pilotprojekte kann laut des Übertragungsnetzbetreibers “TenneT “die benötigte Trassenbreite bei vier Kabelsystemen 40 bis 50 Meter betragen. Grundsätzlich werden die Kabel parallel nebeneinander gelegt, um eine gleichmäßige Temperaturverteilung zu gewährleisten. Zur Verkürzung der Bauzeit werden zunächst Leerrohre verlegt und nach Bettung der Erdschichten die Kabel eingezogen. Um eine landwirtschaftliche Nutzung des Geländes über dem Kabelgraben zu ermöglichen, beträgt die Verlegetiefe rund 1,60 Meter. Nach Bauabschluss beträgt die Grabenbreite inklusive des Schutzstreifens 20 bis 30 Meter.” (Quelle: https://www.tennet.eu/fileadmin/user_upload/Our_Grid/Onshore_Germany/Allgemein/160308_AC_Erdkabelbroschuere.pdf)
Demnach ist hinsichtlich der nötigen Trassenbreite bei Wechsel – oder Gleichstromleitungen zu unterscheiden, jedoch nicht hinsichtlich der Tiefe.
Das anstehende Grundwasser bzw. das Grundwasserniveau spielt bei der Baumaßnahme und der umsetzbaren Verlegearbeiten eine Rolle. Um hier Aufschlüsse über die Beschaffenheit des Untergrundes zu erlangen, sind Baugrunduntersuchungen und Bohrungen unabdingbar, die im Rahmen der Bauvorbereitung durchgeführt werden.
Die notwendige Tiefe der Erdkabelverlegung, bei einer Straßen – oder Gewässerunterquerung, hängt von der dort vorliegenden Boden- sowie Grundwasserbeschaffenheit ab. Diese kann unter Umständen mehr als zwei Meter Tiefe betragen. Bei dieser Erdkabelverlegung kann die geschlossene Bauweise durchgeführt werden. Demnach sind hier keine Kabelgräben notwendig, da das Erdkabel mittels verschiedener Technologien, wie z.B. Bohrverfahren oder Spülbohrungen, verlegt werden kann. Für die Umsetzung der Baumaßnahme können temporäre Absenkungen des Grundwassers von Nöten sein kann. Ob die Geländebeschaffenheit hügelig oder eben ist, spielt für die Verlegetiefe dabei keine Rolle bzw. ist nicht von Relevanz. Bei hügeligen Landschaften ist vielmehr der Aufwand von Tiefbau – und Verlegearbeiten von Bedeutung.
Überschwemmungsgebiete weisen grundsätzlich ein erhöhtes Konfliktpotenzial auf und sind somit im Zuge der Trassenplanungen zu vermeiden. Für die Erdkabelverlegung bzw. die in diesen Bereichen notwendige Tiefe, spielt ein Überschwemmungsgebiet keine relevante Rolle. Die Erdkabel werden mit einer ausreichenden Isolierung sowie in Leerrohren verlegt.
Die Planung sowie Berücksichtigung von Zuwegungen für die Fahrzeuge, welche für die Umsetzung der Baumaßnahme und darüber hinaus für Reparaturarbeiten benötigt werden, sind von besonderer Bedeutung. Die Zufahrt zu den Kabeltrassen erfolgt in der Regel über öffentliche Straßen und Wege von angrenzenden Grundstücksflächen. Die öffentlichen Straßen weisen dabei eine ausreichende Befestigung auf. Bei unbefestigten Flächen, wie es auf den Grundstücksflächen der Fall sein kann, sind Bodenschutzmaßnahmen zu ergreifen (z.B. Verlegung von Bodenplatten oder Baggermatten), um das Bodengefüge zu schützen und die Bodenfunktionen nicht zu beeinträchtigen. Das Gleiche gilt auch für landwirtschaftlich genutzte Flächen, um die Funktionen zu schützen. Für eventuell auftretende Reparatur- und Wartungsarbeiten dienen die in der Planung zu berücksichtigenden Schutzbereiche der Trassen.
Hinsichtlich der Folgenutzung auf landwirtschaftlichen Flächen sind jene Kulturen zu wählen, dessen maximale Wurzeltiefe geringer als die Erdkabeltiefe sind. Dies gewährleistet den Schutz der Erdkabel vor Beschädigungen durch Wurzeleinwuchs. Mögliche Kulturen stellen hierbei z.B. Mais, Kartoffel, Roggen oder die Wintergerste dar. Naturgeschützte Flächen weisen grundsätzlich ein erhöhtes Konfliktpotenzial für die Umsetzung der Baumaßnahme auf, wodurch diese zu umgehen sind. Werden diese Flächen im Zuge der Baumaßnahme beeinträchtigt, ist die Folgenutzung entsprechend der individuellen Vorgaben des Naturschutzgebietes zu bewirtschaften.
Mit freundliche Grüßen
Team Bürgerdialog Stromnetz

Schreiben Sie eine Antwort

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Sie wird nur zu persönlichen Beantwortung von Fragen und bei eventuellen Rückfragen verwendet. Mehr dazu in unseren Informationen zum Datenschutz.

* Bitte füllen Sie diese Pflichtfelder aus.

Alle Fragen im Überblick