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Bürger fragen - Wir antworten

Kosten-Nutzen-Betrachtung des Stromtransportes ein Marketinggag?

Der renommierte Gutachter FfE hat im Kurzgutachten für das Bay. Staatsministerium die künftigen Kosten des Stromnetztransportes mittels (HGÜ-)Übertragungsleitungen mit 0,06 Cent/kWh berechnet. Ich verstehe dann nicht, warum Trassengegner solche Minimalkosten als „überdimensional“ betrachten und für diese auch europäisch notwendigen „Peenuts“ eine angeblich fehlende Kosten-Nutzen-Rechnung beanstanden? Die Trassen sind bei EU-weiten Einsparungen in Milliardenhöhe pro Jahr und dem Milliarden-Wegfall bei Netzstabilisierungsmaßnahmen ( mal 80-100 Jahre Nutzungsdauer!) nicht nur kostendeckend sondern erheblich kostenreduzierend.
Wir leben im EU-Binnenmarkt und einem n-1-vermaschten Stromsystem, in dem keine Nation ohne Stromaustausch mit den Nachbarn auskommen kann. Daher muss gelten: Einer für alle – alle für Einen. Jeder hilft jedem. Und alle gemeinsam haben den Ausstieg aus fossiler Energie bis spätestens 2050 beschlossen, je nach Leistungsfähigkeit und Tragfähigkeit der Umstellungskosten.

Wir liegen im EU-Mittelpunkt und sind die größte Volkswirtschaft mit höchstem Strombedarf. Die Fantasie, auf Stromtrassen verzichten zu können, wäre genauso unrealistisch und Anti-europäisch, als wenn eine notwendige ICE-Zugverbindung zwischen Wien und Kopenhagen durch eine Trassenverhinderung zwischen Nürnberg und Würzburg unmöglich gemacht würde. Wir wollen auch keine 1000 Postämter oder alle deutschen Bahnstrecken für hunderte Milliarden kaufen, sondern nur 1 Briefmarke, 1 Fahrkarte oder eben 1 Kilowatt Strom und keine Stromtrasse. Und keiner stellt alle anderen Grenzübergänge oder Postaustragsrouten wegen Kosten-Nutzen in Frage, wenn nur eine Route zeitweise etwas stärker belastet ist, aber nur alle zusammen den reibungslosen Urlaubsverkehr oder die Postzustellung für alle ermöglichen.

Ist der angeblich fehlende Kosten-Nutzen-Vergleich also ein Marketing-Gag der Trassengegner?

Frage von Herr B. 7. November 2022
Bürgerdialog Stromnetz Signet

Antwort von der Redaktion

Guten Tag Herr B.,

vielen Dank für Ihren Beitrag.

Grundsätzlich werden Netzausbau-Maßnahmen in Deutschland nicht im Rahmen von Kosten-Nutzen-Analysen, sondern auf Basis der energiewirtschaftlichen Notwendigkeit begründet. Momentan kann unser Stromnetz den erneuerbar erzeugten Strom nicht komplett aufnehmen und weitertransportieren. Im vierten Quartal 2021 war das Netz an über 100 Stunden im Jahr überlastet (siehe Quartalsbericht Netz- und Systemsicherheit Quartal 4 2021). Ohne den im Bundesbedarfsplangesetz festgesetzten Netzausbau werden 2035 sogar noch viel häufiger unzulässig hohe Leitungsüberlastungen im Übertragungsnetz auftreten. Diese liegen zwischen 1.000 und 5.400 Stunden im Jahr (siehe Netzentwicklungsplan Strom 2035, Zweiter Entwurf der Übertragungsnetzbetreiber, Version 2021). Auf Basis von Szenariorahmen und Netzentwicklungsplänen (NEP) werden die Netzausbaumaßnahmen mit der Öffentlichkeit konsolidiert und im Bundesbedarfsplangesetz beschlossen, welches vom Bundestag und Bundesrat verabschiedet wird. Der Bundesbedarfsplan wird von Bundestag und Bundesrat mindestens alle vier Jahre beschlossen und bildet die gesetzliche Grundlage für den Ausbau des Stromnetzes. Mit dem Erlass des Bundesbedarfsplangesetzes (BBPlG) stehen die Anfangs- und Endpunkte der künftigen Höchstspannungsleitungen fest, die in der späteren Bundesfachplanung bzw. im Raumordnungsverfahren konkretisiert werden.

Weiter ist anzumerken, dass das deutsche Stromnetz Teil des europäischen Verbundnetzes ist.Die Europäische Union strebt für den Stromhandel einen gemeinsamen Binnenmarkt an. Voraussetzung dafür sind leistungsfähigere Stromverbindungen. Sie sind wichtig, um regionale Schwankungen bei der Erzeugung von Wind- und Solarstrom auch über Landesgrenzen hinweg besser auszugleichen. Das erhöht auch die Versorgungssicherheit hierzulande.
Viele der Ausbauvorhaben im deutschen Übertragungsnetz sind als Vorhaben von gemeinsamem Interesse (projects of common interest, kurz PCI) ausgewiesen. Sie tragen damit zu einem funktionierenden Energiebinnenmarkt und zur Versorgungssicherheit in der Europäischen Union bei. Eine positive Kosten-Nutzen-Analyse ist Voraussetzung für die Aufnahme in die PCI-Liste der Europäischen Union, wie u. A. dargelegt im Netzentwicklungsplan Strom 2035, Version 2021, Seite 18. Die PCI sind in einer unions­weiten Liste enthalten, die alle zwei Jahre aktualisiert wird. Die fünfte und aktuell gültige PCI-Liste ist am 28. April 2022 in Kraft getreten. Sie enthält insgesamt zehn Projekte mit Bezug zu Deutsch­land, diese können Sie hier einsehen.

Da die erneuerbaren Energien sehr volatil sind, profitiert Deutschland durch ein Verbundnetz von Wetterlagen in anderen Regionen. Um diesen Austausch zwischen den Ländern zu gewährleisten, sind leistungsfähige Stromverbindungen innerhalb Deutschlands notwendig. Sie sind wichtig, um die regionalen Schwankungen bei der Erzeugung von Wind- und Solarstrom zum einen im Land, aber auch über die Landesgrenzen hinweg besser auszugleichen. Derzeit reicht die Übertragungsleistung in Deutschland noch nicht aus, um den Strom aus dem Norden in die Verbraucherzentren im Süden und Westen Deutschlands zu transportieren. Zusätzlich kann Deutschland durch den innerdeutschen Stromnetzausbau z. B. deutsche Windenergie in norwegischen Wasserkraftwerken zwischenspeichern, wenn mehr Windstrom produziert als verbraucht wird. Für den Stromaustausch mit Norwegen nutzt Deutschland das im Mai 2021 fertiggestellte „grüne Kabel“, den NordLink.

Wir hoffen, dass wir Ihre Fragen zufriedenstellend beantwortet haben.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Team vom Bürgerdialog Stromnetz

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