Glossar

Im Glossar erklären wir eine Auswahl von wichtigen Fachbegriffen zu den Themen Energiewende und Stromnetz.

AC

Die Abkürzung (AC) steht für „Alternating Current“ (engl.), siehe Wechselstrom.

Antragskonferenz

Eine Antragskonferenz ist eine öffentliche Veranstaltung, die im Rahmen des Planungsschrittes Bundesfachplanung durch die Bundesnetzagentur (BNetzA) durchgeführt wird.
Grundlage der Antragskonferenz ist der von den Vorhabenträger(n) gestellte Antrag auf Bundesfachplanung, der einen Vorschlagskorridor sowie Korridoralternativen enthält. Die Antragskonferenz dient insbesondere dazu, Informationen zur Umwelt- und Raumverträglichkeit der vorliegenden Korridorvorschläge zu sammeln. Es wird zudem darüber diskutiert, welche weiteren Untersuchungen noch erfolgen sollten. Zur Antragskonferenz werden die Vereinigungen und die Träger öffentlicher Belange eingeladen. Die Antragskonferenz ist öffentlich. Auch interessierte Bürgerinnen und Bürger können nach Anmeldung daran teilnehmen und dort ihre Einwendungen oder Anmerkungen zu Protokoll geben. Basierend auf den Ergebnissen der Antragskonferenz, legt die BNetzA anschließend den Untersuchungsrahmen für die Bundesfachplanung fest. Dieser enthält Vorgaben, welche Unterlagen und Gutachten der Vorhabenträger im weiteren Verfahren noch einreichen muss.

Bruttostromerzeugung

Die Bruttostromerzeugung umfasst die gesamte erzeugte Strommenge in einem Land. Nach Abzug des Eigenverbrauchs der Erzeugungsanlagen verbleibt die Nettostromerzeugung.

Bündelungsgebot

Das Bündelungsgebot ist im Bundesnaturschutz- und im Raumordnungsgesetz verankert und besagt, dass neue Stromleitungen möglichst entlang von bestehenden Linien-Infrastrukturen wie Bahntrassen, Kanälen, Autobahnen oder aber neben bereits bestehenden Stromtrassen gebaut werden sollen. Indem die Stromnetzinfrastruktur mit der bestehenden Infrastruktur „gebündelt“ wird, sollen Freiräume erhalten und neue Zerschneidungen der Landschaft vermieden werden. Das Bündelungsgebot ist angesichts der Vielzahl an verschiedenen Infrastrukturmaßnahmen nicht immer die beste Option: So werden bereits stark belastete Regionen und ihre Anwohner noch stärker belastet, obwohl eine neue Leitung mit deutlich weniger Raumwiderständen woanders verlegt werden könnte. Alte Leitungen könnten in diesem Zuge womöglich zurückgebaut werden. Ein ausführlicher Vergleich verschiedener Varianten ist deshalb immer Teil des Verfahrens.

Bundesbedarfsplan

Der Bundesbedarfsplan leitet sich ab aus dem bestätigten Netzentwicklungsplan (NEP) und dem Umweltbericht der Bundesnetzagentur (BNetzA). Die darin enthaltenen Vorhaben werden als energiewirtschaftlich notwendig festgestellt. Die Bundesregierung legt einen Entwurf für einen Bundesbedarfsplan zur Abstimmung dem Bundestag vor, der daraus das Bundesbedarfsplangesetz ableitet.

Bundesbedarfsplangesetz (BBPlG)

Das Bundesbedarfsplangesetz, legt fest, welche Vorhaben für die nächsten drei Jahre als energiewirtschaftlich vorrangig notwendig und dringlich eingestuft sind. Es dient der Gewährleistung eines sicheren und zuverlässigen Netzbetriebs. Das BBPlG wird vom Bundestag beschlossen. Eine Zustimmung des Bundesrates ist nicht erforderlich.

Bundesfachplanung

Die Bundesfachplanung ist ein neues, gesetzlich vorgeschriebenes Planungsinstrument zur Beschleunigung des Stromnetzausbaus für im Bundesbedarfsplangesetz als länder- oder grenzüberschreitend gekennzeichnete Vorhaben. Die Einzelheiten zur Bundesfachplanung sind im Netzausbaubeschleunigungsgesetz Übertragungsnetz (NABEG) geregelt.

Bundesnetzagentur

Als Bundesbehörde kontrolliert die Bundesnetzagentur (BNetzA) die Einhaltung des Telekommunikationsgesetzes (TKG), des Postgesetzes (PostG) und des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG). Im Bereich der Strom- und Gasnetze ist die Bundesnetzagentur als Regulierungsbehörde für alle großen Netzbetreiber sowie für alle bundeslandübergreifend tätigen Netzbetreiber zuständig. In diesem Rahmen ist sie auch für die Koordination des aller großen Projekte zum Stromnetzausbaus zuständig und sorgt dafür, dass die Stromnetze nur soweit ausgebaut werden, wie es für die Versorgungssicherheit nötig ist. Für Projekte von lediglich regionaler Bedeutung sind zumeist die Landesregulierungsbehörden der einzelnen Bundesländer zuständig.

Drehstrom

Drehstrom ist der umgangssprachliche Begriff einer speziellen Form des Wechselstroms, dem Dreiphasenwechselstrom. In seiner historischen Entstehung wurde dieser erstmals Dieser wird in bauartbedingt durch die Rotation der Generatoren von Kraftwerken generiet. Hierbei handelt es sich um drei Wechselströme, die zueinander um 120 Winkelgrad (also um eine Drittel-Umdrehung) phasenverschoben sind. Inzwischen kann der Wechselstrom auch durch Leistungselektronik – beispielsweise durch den Wechselrichter einer PV-Anlage – generiert werden.
Für die Übertragung und Verteilung des Stroms wird i.d.R. die Drehstromtechnik (Dreiphasenwechselstrom) verwendet. Bei konstanter Phasenverschiebung gelingt es im Vergleich zum Wechselstrom so eine konstante und höhere elektrische Leistung zu übertragen.

Auch der Hausanschluss von Gebäuden ist in Deutschland grundsätzlich ein Drehstromanschluss. Alle drei Phasen werden regelmäßig für elektrische Küchenherde benötigt, um ausreichend Leistung übertragen zu können. Wird nur wenig Leistung benötigt, wird für einen Stromkreis nur eine Phase angeschlossen und das Potenzial gegenüber einem Leiter ohne Spannung genutzt, dem sogenannten Neutralleiter (früher auch als Erde bezeichnet). Auf diese Weise sind die haushaltsüblichen 230 V-Steckdosen angeschlossen.

Einspeise- bzw. Entnahmepunkte

Einspeise- und Entnahmepunkte sind die Netzanschlusspunkte im Stromnetz, an denen Strom eingespeist oder entnommen wird.

Elektromagnetische Felder (EMF)

Grundsätzlich unterscheidet man elektrische von magnetischen Feldern.
Elektrische Felder entstehen immer dann, wenn eine elektrische Spannung anliegt. Die Größe des elektrischen Feldes wird von dem Ladungsunterschied bestimmt, der in Volt/Meter angegeben wird.
Magnetische Felder entstehen immer dann, wenn sich elektrische Ladungen bewegen, also wenn Strom fließt. Und je größer der Stromfluss, desto höher ist auch die magnetische Flussdichte, die in Tesla bzw. Mikrotesla angegeben wird.

Emissionen

Emissionen sind die von einer Anlage, von einem Gebäude oder einem Verkehrsmittel in die Umwelt, also Boden, Wasser oder Luft, abgegebenen Stoffe. Sie können gasförmig, flüssig oder fest sein. Wärme, Strahlung, Geräusche und Gerüche werden ebenfalls als Emissionen bezeichnet.

Energie

Die physikalische Größe Energie beschreibt die Fähigkeit eines Systems, Arbeit zu verrichten. Physikalisch betrachtet, kann Energie weder erzeugt noch vernichtet werden, sondern lediglich von einer Form (z.B. Bewegungsenergie) in eine andere (z.B. Wärme) überführt werden. Sie kommt beispielsweise in Form von elektrischer, chemischer oder thermischer Energie vor und wird in der Maßeinheit Joule angegeben.

Energieeffizienz

Die Energieeffizienz beschreibt das Verhältnis zwischen dem Energieverbrauch (z.B. Strom) und dem erzielten (energetischen) Nutzen (z.B. Beheizung eines Gebäudes einer bestimmten Fläche). Will man die Energieeffizienz erhöhen, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder es wird weniger Energie bei gleichem Nutzen verbraucht (z. B. durch Wärmedämmung) oder aber der Nutzen wird bei gleichem Energieverbrauch erhöht (z. B. durch Abwärmenutzung).

Energieeinsparung

Darunter versteht man das Reduzieren des Energieverbrauchs verglichen mit einem Status quo. Häufig wird der Begriff genutzt, um zu zeigen, dass ein verbessertes Nutzerverhalten Energie einsparen kann. Im weiteren Sinne kann auch die Verbesserung der Energieeffizienz als Möglichkeit zur Energieeinsparung verstanden werden.

Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG)

Das Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG) nennt Vorhaben des Netzausbaus in den Bundesländern, die als vordringlich eingestuft wurden und gesetzlich festgeschrieben sind. Derzeit sind das 24 Vorhaben. Sechs davon können auf Teilabschnitten als Pilotprojekt für den Einsatz von Erdkabeln auf der Höchstspannungsebene realisiert werden. Unter bestimmten Voraussetzungen kann der Übertragungsnetzbetreiber auch zum Einsatz von Erdkabeln verpflichtet werden. Solche Voraussetzungen sind zum Beispiel Mindestabstände zur Wohnbebauung, Arten- und Gebietsschutz sowie die Querung großer Flüsse.

Fossile Energieträger

Fossile Energieträger sind solche, die aus abgestorbenen Pflanzen und Tieren im Laufe von Jahrmillionen unter hohem Druck und hoher Temperatur entstanden sind. Es handelt sich um Energierohstoffe mit unterschiedlichen Kohlenstoffverbindungen, wie Öle, Kohlen und Gase. Alle fossilen Energieträger sind endlich.

Freileitung

Freileitungen sind Anlagen zum oberirdischen Stromtransport bestehend aus Masten, Isolatoren und Leitungsseilen. Die Leitungen sind im Gegensatz zum Kabel nur durch die dazwischen liegende Luft voneinander isoliert. Das Übertragungsnetz für Höchstspannung in Deutschland nutzt bisher v.a. aus Kostengründen fast ausschließlich Freileitungen.

Gleichstrom

Als Gleichstrom wird Strom bezeichnet, dessen Stärke und Richtung zeitlich konstant verläuft. Im Unterschied zum Wechselstrom findet hier keine rhythmische Veränderung von Spannung und Strom in Abhängigkeit von der Zeit statt. Unser Stromnetz ist auf Wechselstrom ausgelegt. Trotzdem gibt es Verbraucher und Erzeuger, die mit Gleichstrom agieren. Strom aus Photovoltaikanlagen liegt beispielsweise bauartbedingt originär als Gleichstrom vor. Ebenso wie der Strom aus Batterien. Hier wird mit Hilfe eines Wechselrichters Gleichstrom auf Wechselstrom umgewandelt.

Hochspannung und Höchstspannung

Schon eine Spannung über 1 Kilovolt (= 1.000 Volt) wird üblicherweise als Hochspannung bezeichnet. Bei der Stromübertragung sind allerdings weitere begriffliche Unterteilungen der Hochspannung gebräuchlich: Man spricht von Netzen mit Mittelspannung (1 bis 60 kV), Hochspannung (60 bis 110 kV) und Höchstspannung (220 bis 380 kV), wobei die genauen Grenzwerte nicht einheitlich festgelegt sind.
Möglichst hohe Spannungen werden ausgewählt, um die Übertragungsverluste bei langen Transportwegen so gering wie möglich zu halten.

Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ)

Verfahren der Energieübertragung durch Gleichstrom mit hoher Spannung. Die neu geplanten Übertragungsleitungen werden als HGÜ geplant, da die Stromverluste bei der Übertragung auf langen Distanzen geringer sind als bei HDÜ-Leitungen. Zudem bringen die HGÜ- Leitungen auch Vorteile für die Netzführung und die Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit mit sich. Gleichstromleitungen sind im Vergleich mit Wechselstromleitungen besser steuer- und regelbar. Im Wechselstromnetz ist oft die physikalische Eigenschaft des Wechselstroms, sich immer den Weg des geringsten Widerstands zu suchen, für Netzüberlastungen verantwortlich. Beim Gleichstrom kann hingegen die Leistungsflüsse gesteuert werden.So kann die Netzführung zur Vermeidung von Netzengpässen die Richtung des Stromflusses steuern.,Die HGÜ Technik verbindet damit die Vorteile der Wechselspannungstechnik (Transformation des Stroms auf hohe Spannungen bei geringer Stromstärke zur Minimierung der Verluste) mit der Gleichstromtechnik (u.a. Entfall von Ummangnetisierungs- und Induktionsverlusten). Allerdings werden zur Einbindung dieser Technik ins deutsche Stromnetz an Anfangs- und Endpunkt der Trasse sogenannte Konverter benötigt. Diese sind teuer und haben ebenfalls Verluste. Aus diesem Grund ist die HGÜ-Technik nur bei einem Stromtransport über weite Entfernungen die wirtschaftlichste Variante.

Immissionen

Als Immissionen werden mit Blick auf die Umweltgesetzgebung Einwirkungen von Störfaktoren aus der Umwelt auf Mensch und Natur bezeichnet. Das können ebenso Schadstoffe in der Luft als auch elektrische und magnetische Felder oder Geräusche sein. Weitere Informationen finden Sie im Bundesimmisionsschutzgesetz.

Interkonnektor

Interkonnektoren (vgl. BBPlG-Vorhaben Nr. 29 und Nr. 33, EnLAG-Vorhaben Nr. 12) verbinden Stromnetze über Landesgrenzen hinaus. So können z.B. Leistungsüberschüsse zu Speicherkapazitäten im Ausland abgeführt und Engpässe im deutschen Übertragungsnetz verhindert werden. Auf diese Weise kann das Gleichgewicht zwischen Stromnachfrage und -angebot international ausbalanciert und die Versorgungssicherheit hierzulande gewährleistet werden.

Kernenergieausstieg

Kurz nach der nuklearen Katastrophe im März 2011 in Japan beschloss der Deutsche Bundestag am 30. Juni 2011 den Kernenergieausstieg Deutschlands bis zum Ende des Jahres 2022. Seitdem ist in Deutschland gesetzlich verankert, perspektivisch auf die Erzeugung von Strom mithilfe von Kernenergie zu verzichten.
Mit Inkrafttreten der Novellierung des Atomgesetzes am 8. August 2011 verloren die sieben ältesten Kernkraftwerke sowie das Kernkraftwerk Krümmel unmittelbar ihre Betriebsgenehmigung. Die weiteren neun Kernkraftwerke werden sukzessive bis Ende 2022 abgeschaltet.

Konverter

Ein Konverter wandelt Wechselstrom (bzw. großtechnisch Dreiphasenwechselstrom) in Gleichstrom um, damit elektrische Energie in Gleichstromtechnik in einer Punkt-zu-Punkt-Verbindung an einen anderen Standort übertragen werden kann. Dort wird der Gleichstrom dann wieder durch einen weiteren Konverter in Wechselstrom umgewandelt.

Lastmanagement

Weil die Möglichkeiten zur Speicherung von Energie in Deutschland noch gering sind, wird im Stromversorgungssystem hierzulande zu jedem Zeitpunkt genau soviel Strom produziert, wie zu diesem Zeitpunkt auch verbraucht wird. Die Feinabstimmung wird über speziell dafür vorgesehen Kraftwerke erreicht. Die Steuerungsgröße ist die Netzfrequenz von 50 Hertz – wenn diese konstant gehalten wird, entspricht die Summe der Einspeisungen der Summe der Ausspeisungen im Stromnetz. Die flexible Steuerung der Stromerzeugung garantiert, dass Verbrauch und Erzeugung zu jedem Zeitpunkt übereinstimmen, das System gewährleistet, dass jeder Verbraucher ohne Berücksichtigung der Gesamtsituation seinen Energieverbrauch frei wählen kann.
Da der aus Wind und Sonne gewonnene Strom natürlicherweise Schwankungen unterliegt, muss mit einem stetig wachsenden Anteil der erneuerbaren Energien am deutschen Strommix in Zukunft auch der Verbrauch aktiv gesteuert werden, um die Kosten für den Ausgleich von Erzeugung und Verbrauch auf einem vertretbaren Niveau zu halten. Dies wird als Lastmanagement bezeichnet. Dies kann zum Beispiel durch das vertraglich vereinbarte Zu- oder Abschalten von Energieverbrauchern und -erzeugern durch einen Netzbetreiber geschehen, der damit den stabilen Netzbetrieb sicherstellt. Flexible Verbraucher können ihren Strom dann beziehen, wenn dieser im Überfluss vorhanden ist und somit auch der Strompreis niedriger ausfällt.

Elektrische Arbeit (kWh) & Leistung (kW)

Die Kilowattstunde (häufig angegeben in kWh) ist eine Energiemenge und wird z.B. als Messangabe für haushaltsübliche Stromverbräuche über eine längere Zeit zum Beispiel auf Stromrechnungen für ein Kalenderjahr ausgewiesen.
Die elektrische Leistung beschreibt den Energieumsatz pro Zeiteinheit (also den Verbrauch oder die Erzeugung einer Energiemenge in einem sehr kurzen bzw. gegen Null gehenden Zeitintervall). Dieser kurzfristige Energieumsatz, der von einem Verbraucher bezogen oder von einem Generator geliefert wird, wird als Grundeinheit in Watt (= Joule pro Sekunde) gemessen.
Die von Kraftwerken und Windkraftanlagen erzeugte energetische Leistung wird aufgrund der Dimensionierung dieser Anlagen entsprechend mit Megawatt (MW = 106 Watt) oder Gigawatt (GW = 109 Watt) angegeben.

Netzausbaubeschleunigungsgesetz Übertragungsnetz (NABEG)

Das 2011 verabschiedete Netzausbaubeschleunigungsgesetz Übertragungsnetz (NABEG) hat die Projektvorhaben neu strukturiert und die für die Energieversorgung als notwendig eingestuften Projekte von der Länder- auf die Bundesebene verlagert. Außerdem sollen die großen für die Energiewende notwendigen Projekte transparenter und mit mehr stetiger Bürgerbeteiligung durchgeführt werden, um den Ausbau langfristig schneller und mit einer größeren regionalen Akzeptanz zu erreichen.

Netzentgelte

Netzentgelte sind Bestandteil des Strompreises. Das Netzentgelt kann als eine Gebühr verstanden werden, die jeder, der Strom über das Versorgungsnetz bezieht, an den jeweiligen Netzbetreiber zahlen muss. Die Systematik ist ähnlich wie bspw. bei der Nutzung des Öffentlichen Nahverkehrs, bei der die Nutzer/innen ein Beförderungsentgelt zahlen müssen. Bei Verbraucherinnen und Verbrauchern kümmert sich der jeweilige Stromlieferant der Netznutzer um die Entrichtung dieser Gebühr und preist diese in sein Angebot ein. (Insbesondere deshalb werden wir Haushaltskunden beim Abschluss eines Stromliefervertrages bzw. bei Vergleichsportalen nach unserer Postleitzahl gefragt.) Dieser sammelt die Netzentgelte bei seinen Kunden ein und leitet sie an die entsprechenden Netzbetreiber weiter. Die Netzentgelte werden von den für den jeweiligen Netzbetreiber zuständigen Regulierungsbehörden (vgl. Ausführungen zur Bundesnetzagentur) reguliert, weil sich deren jeweilige Höhe nicht im freien Wettbewerb bildet. Der Hintergrund ist, dass Stromnetze natürliche Monopole sind (genauso wie beim Festnetztelefonanschluss, rentiert es sich wirtschaftlich nicht, einem Kunden mehrere Leitungen ins Haus zu legen, damit dieser aus unterschiedlichen Angeboten wählen kann), deren Bewirtschaftung extern überwacht wird. Strom-Netzentgelte sind aktuell nicht abhängig von der Länge der genutzten Leitung – sie orientieren sich bislang v.a. danach, in welcher Spannungsebene der Netzkunde angeschlossen ist. Je höher die Spannungsebene des Netzanschlusses, desto günstiger ist grundsätzlich das Netzentgelt.

Netzentwicklungsplan (NEP)

Mithilfe des Netzentwicklungsplans (NEP) wird der Ausbaubedarf des Stromnetzes für die nächsten zehn Jahre dargestellt. Grundlage ist der von den Übertragungsnetzbetreibern erstellte Szenariorahmen, in welchem eingeschätzt wird, wie sich Stromerzeugung und -verbrauch in den nächsten Jahren entwickeln werden. Außerdem erstellt die Bundesnetzagentur einen Umweltbericht, in dem die möglichen Auswirkungen auf Mensch und Natur dargestellt werden – dieser fließt ebenfalls in den NEP ein. Anschließend wird der NEP unter Beteiligung der Öffentlichkeit abgestimmt.
Für das deutsche Stromnetz werden die Netzentwicklungspläne in zwei Bereiche aufgeteilt: in den Netzentwicklungsplan Land und See. Sie sind als „Netzentwicklungsplan Strom“ und „Netzentwicklungsplan Strom Offshore“ (O-NEP) benannt.
Wie der Netzentwicklungsplan zustande kommt, erklärt die Bundesnetzagentur in einem kurzen Animationsfilm.

NOVA-Prinzip

NOVA steht für: Netz-Optimierung vor Verstärkung vor Ausbau, d.h. zunächst sind bestehende Stromleitungen optimal auszunutzen und bei Bedarf zu verstärken. Erst wenn ihre Kapazitäten ausgeschöpft sind, werden neue Leitungen geplant. Das kann auch bedeuten, dass alte Trassen abgebaut und neue Stromtrassen naturverträglicher in die Landschaft und das Siedlungsgefüge eingepasst werden. Betroffene Anwohner sollten daher die Chance nutzen, sich in die Planungen einzubringen, um den Trassenverlauf auch bei geringen Handlungsspielräumen zu optimieren.

Offshore-Windenergieanlage

So werden die Windkraftanlagen zur Stromerzeugung auf See genannt (Offshore, engl. vor der Küste, auf See).

Photovoltaik

Unmittelbare Umwandlung von Sonnenstrahlung in elektrische Energie mithilfe von Solarzellen.

Planfeststellungsverfahren

Das Planfeststellungsverfahren beginnt mit der Einreichung der Planunterlagen mit dem konkreten Streckenverlauf bei der zuständigen Planfeststellungsbehörde und endet mit einem Planfeststellungsbeschluss. Wichtiger Bestandteil des Verfahrens ist die Beteiligung von Bürgern durch die öffentliche Auslegung der Pläne.

Raumordnungsverfahren

Im Raumordnungsverfahren (ROV) wird geprüft, ob konkrete Vorhaben (z. B. Trassenführungen von Stromleitungen oder Straßen, aber auch neu ausgewiesene Wohngebiete) mit den Zielen und Grundsätzen der Raumordnung und der Landesplanung übereinstimmen. Dabei werden ökologische, kulturelle, soziale und ökonomische Belange herangezogen.

Raumwiderstand

„Raumwiderstand“ ist eine Bezeichnung für die Umsetzbarkeit einer Infrastrukturmaßnahme in einem gegebenen Raum. Für die Erstellung der Raumwiderstandskarte werden Hindernisse wie Siedlungen, Schutzgebiete oder Militärgebiete mit ihren Sensibilitäten eingetragen und aufsummiert. Ein hoher Raumwiderstand heißt jedoch nicht, dass ein Trassenbau hier grundsätzlich unmöglich ist.

Smart Grid

„Intelligentes Stromnetz“, das Stromerzeuger und Verbraucher sowie mögliche Energiespeicher miteinander vernetzt. Es überträgt nicht mehr nur Energie, sondern auch Daten, um den zur Verfügung stehenden Strom und den tatsächlichen Strombedarf zeitlich und räumlich aufeinander abzustimmen.

Stromautobahnen

Die großen Höchstspannungsleitungen werden umgangssprachlich als „Stromautobahnen“ bezeichnet. Sie übernehmen den Transport großer Strommengen über weite Strecken. Dabei wird eine möglichst hohe Spannung gewählt, um die Übertragungsverluste gering zu halten. Neben den klassischen 380 Kilovolt-Dreiphasenwechselstromverbindungen werden jetzt für den Nord-Süd-Transport zusätzlich Hochspannungs-Gleichstromverbindungen (vgl. Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung) geplant.

Stromnetzausbau

Unter dem Begriff Stromnetzausbau wird die Verstärkung und Erweiterung der bestehenden Strominfrastruktur zusammengefasst, um beispielsweise neue Anlagen der Energieerzeugung wie auch neue Verbraucher an das Stromnetz anzuschließen. Außerdem soll einer Überlastung des Stromnetzes, beispielsweise infolge der steigenden Einspeisung dezentraler Energieanlagen, entgegengewirkt werden.

Szenariorahmen

Der Szenariorahmen wird im Zweijahresrhythmus von den Übertragungsnetzbetreibern (50 Hertz, Tennet, TransnetBW und Amprion) erarbeitet. Dieser beschreibt mindestens drei unterschiedliche Szenarien, wie sich die deutsche Energielandschaft in den nächsten 10 bis 15 Jahren entwickeln wird.
Durch den Szenariorahmen können Aussagen über die in der Zukunft benötigte Infrastruktur – zum Beispiel Stromleitungen, Konverter und Umspannwerke – getroffen werden. Wird der Szenariorahmen von der Bundesnetzagentur genehmigt, bildet er die Grundlage für die Erstellung des Netzentwicklungsplans. Hat die Bundesnetzagentur den Szenariorahmen geprüft und genehmigt, bildet dieser die Grundlage für die Netzentwicklungspläne der Übertragungsnetzbetreiber.

Transformator

Transformatoren können eine Wechsel-Spannung von einer höheren in eine niedrigere Spannung und umgekehrt umwandeln. Je höher die Spannung, desto geringer ist die Stromstärke bei gleicher übertragener elektrischer Leistung. Die insbesondere die Höhe der Stromstärke maßgeblich für Übertragungsverluste ist, wird für die Stromübertragung über weitere Entfernungen eine möglichst hohe Spannung bei geringer Stromstärke gewählt. Um den Strom letztendlich im Haushalt wieder nutzbar zu machen, enthält fast jedes elektrische Gerät einen Transformator. Auch an den Übergangspunkten zwischen den verschiedenen Netzspannungsebenen im Stromnetz und meistens auch an den Punkten, an denen Strom in das Netz eingespeist wird, werden Transformatoren benötigt.

Trassenkorridor

Gebietsstreifen, in welchem die Stromtrasse verlaufen soll. Über ihren Verlauf wird bei länder- und grenzüberschreitenden Leitungen in der Bundesfachplanung entschieden. Nach der Gesetzesbegründung soll der Trassenkorridor in der Bundesfachplanung 500 bis 1000 Meter breit sein.

Übertragungsnetz

Das Übertragungsnetz transportiert Strom über weite Strecken. Nur etwa zwei Prozent der vorhandenen Leitungen entfallen auf das Übertragungsnetz. In den festgelegten Regelzonen ist es Eigentum der vier Übertragungsnetzbetreiber.

Übertragungsnetzbetreiber

Die Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) 50Hertz, Amprion, TenneT und TransnetBW betreiben die Übertragungs- und Transportnetze für den Strom. Sie organisieren ausschließlich den Stromtransport und sind in diesem Zusammenhang für die Systemsicherheit verantwortlich. Die ÜNB sind gesetzlich dazu verpflichtet, den Netzausbau im Rahmen der Energiewende vorzunehmen. Staatlich werden sie dabei von der Bundesnetzagentur reguliert. Diese überprüft auch, ob die ÜNB effizient wirtschaften – nicht nur beim Stromnetzausbau. Zu den weiteren Aufgaben der ÜNB gehören u.a. die Sicherung der Netzstabilität und die Vermarktung des Stroms aus Erneuerbaren Energien.

Umspannwerk

Als Teil der Strominfrastruktur dienen Umspannwerke als Schnittstellen zwischen Übertragungsleitungen unterschiedlicher Spannungsebenen. In Umspannwerken in der Nähe der Verbrauchszentren wird die Spannung von einer höheren auf eine geringere umgespannt. Man sagt dazu auch „herunter transformieren“. Das geschieht mithilfe der Transformatoren.

Umweltverträglichkeitsprüfung

Zweck der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) ist es, Umweltauswirkungen von Planungsvorhaben zu ermitteln, zu beschreiben und zu bewerten, so dass diese bei Entscheidungen berücksichtigt werden können.

Verbundbetrieb

Der Verbundbetrieb bzw. ein Verbundsystem bezeichnet den Zusammenschluss von Übertragungsnetzbetreibern, die auf nationaler und internationaler Ebene in Verbundnetzen zusammenarbeiten. So ermöglicht das engmaschige Stromnetz des europäischen Verbundbetriebs über HDÜ- und HGÜ-Leitungen den Stromtransport und -austausch innerhalb Europas und sorgt damit für eine gesicherte und wirtschaftliche Stromversorgung. Besteht in einem der angeschlossenen Länder plötzlich ein Ungleichgewicht zwischen Stromverbrauch und -produktion, können Schwankungen innerhalb des Verbundbetriebes einfach aufgefangen werden.

Versorgungssicherheit

Wenn jederzeit und dauerhaft an jedem Ort in Deutschland Strom zur Verfügung steht, spricht man von Versorgungssicherheit. Dafür nötig ist ausreichend produzierter Strom, der in einem stabilen Stromnetz bis zum Verbraucher transportiert werden kann.

Vorhabenplanung

Im bauordnungsrechtlichen Sinn handelt es sich hierbei um die Planung einer baulichen Anlage bzw. einer bestimmten Nutzung, wobei die Vorgaben eines festgelegten Genehmigungsverfahren zu beachten sind.

Verteilernetz

Das Verteilernetz in Deutschland wird von ca. 9 00 regionalen Verteilernetzbetreibern organisiert. Sie verteilen regional den Strom aus Hoch- und Höchstspannungsnetzen über die Umspannwerke der Ballungsräume zu den Verbrauchern in Mittel- und Niederspannung. Außerdem spielen sie bei der Integration des Stroms aus erneuerbaren Energiequellen und kleinen bis mittelgroßen KWK-Anlagen eine entscheidende Rolle, da dieser direkt in das Verteilernetz eingespeist wird.

Vorhabenträger

Ein Vorhabenträger ist ein Übertragungsnetzbetreiber. Die in Deutschland zuständigen Vorhabenträger, die Tennet TSO GmbH, die 50Hertz Transmission GmbH, die Amprion GmbH sowie die Transnet BW GmbH, sind jeweils für ein bestimmtes Ausbauvorhaben verantwortlich.

Vorschlags-/Vorzugskorridor

Von Vorzugs-/Vorschlagskorridor wird gesprochen, wenn der zuständige Übertragungsnetzbetreiber aus mehreren möglichen Trassenkorridoren einen als beste Variante vorgeschlagen hat

Wechselstrom

In Deutschland wird fast ausschließlich Wechselstrom für den Stromtransport und die Verteilung benutzt, da ausschließlich hierdurch der Stromtransport vor der Erfindung der Leistungselektronik effizient möglich war. Um Verluste zu vermeiden werden für den Stromtransport über weitere Entfernungen hohe Spannungen verwendet. Die Kopplung mit den Verteilnetzen erfolgt über Regionale Umspannwerke, wodurch ein insgesamt vermaschtes Netz entsteht; ein Wechsel der Spannungsebenen, z. B. von 380 auf 110 Kilovolt, ist in einem Wechselstromnetz über Transformatoren vergleichsweise leicht möglich. Wechselstrom ändert innerhalb einer Sekunde 100 Mal die Fließrichtung. Dies ergibt eine Frequenz von 50 Hertz. Hinsichtlich der konkreten Ausführung im „normalen“ Stromnetz spricht man umgangssprachlich auch von Drehstrom (technisch zumeist Dreiphasenwechselstrom), einem Wechselstrom mit drei Phasen, die um jeweils 1/3-Umdrehung eines Generators verschoben sind. Die Übertragungsleitungen mit Wechselstrom werden deshalb als Hochspannungs-Drehstrom-Leitungen bezeichnet.