Kann durch eine dezentrale Stromerzeugung Netzausbau vermieden werden?

Zunächst ist eine rein bilanzielle Betrachtung nicht ausreichend, weil sie außer Acht lässt, dass auch an windstillen, bewölkten Tagen Strom verbraucht wird. Für diesen Fall müssen Speicher oder – übergangsweise – effiziente Gaskraftwerke bereitstehen. Sie befinden sich jedoch oft nicht dort, wo der Verbrauch ist. Für eine auf Erneuerbaren Energiequellen basierende Energieautarkie muss außerdem erheblich mehr Kapazität installiert werden, als bisher mit fossilen Kraftwerken notwendig war. Experten gehen davon aus, dass eine etwa drei- bis viermal so große Erzeugungskapazität installiert werden muss, um die Stromversorgung aus Erneuerbaren Energien sicherzustellen, die natürlicherweise Schwankungen unterlegen sind.

Zu bestimmten Zeiten wird das Stromnetz demnach auch stärkeren Belastungen als bisher ausgesetzt. Damit ändert sich ein entscheidendes Planungskriterium: Wurden die Stromnetze bisher nach den maximalen Verbrauchsspitzen geplant, dreht sich die Priorität um: In Zukunft müssen die Stromnetze in der Lage sein, zumindest zeitweise eine wesentlich höhere Erzeugungskapazität transportieren zu können.

So ermöglicht die Kopplung mit den umgebenden Regionen und den Nachbarländern nicht nur, dass fehlender Strom von dort geholt werden kann, wo er gerade günstig produziert werden kann, sondern auch, dass regionale Überschüsse abgegeben werden können. Für eine vollständige und vor allen Dingen effiziente Integration aller erzeugten Erneuerbaren Energien ist der Stromexport und -import über einen gut ausgebauten, möglichst weiträumigen Netzverbund eine wichtige Voraussetzung.