Energiewende
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Gibt es Erkenntnisse/Studien über den Einfluss eines erhöhten Magnetfeldes (höher als das Erdmagnetfeld) durch HGÜ-Leitungen auf die Tierwelt?

Stichworte: Orientierung und innerer Kompass sowie Verirrungen und Strandungen von Walen und Delphinen.
Wird eine Kompassnadel durch eine HGÜ-Leitung abgelenkt?

Frage von Karin M., 01. März 2018

Auf der Internetseite des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) finden Sie zum Thema "Mögliche Wirkungen elektromagnetischer Felder auf Tiere und Pflanzen" einen guten Überblick und Informationen über den aktuellen Stand der Wissenschaft und zu verschiedenen Studien: https://www.bfs.de/DE/bfs/wissenschaft-forschung/stellungnahmen/emf/emf-tiere-pflanzen/emf-tiere-und-pflanzen.html

Bzgl. Ihrer Frage zum Verhalten von Meeressäugern ist dort folgendes zu lesen: „Einige Meerestiere wie zum Beispiel Haie und Fische können mit speziellen Sinnesorganen sehr schwache Felder wie das Erdmagnetfeld wahrnehmen und sich danach orientieren. Diese Tiere können auch die von Stromkabeln ausgehenden Felder wahrnehmen und eventuell ihr Verhalten entsprechend verändern. Haie nutzen sehr schwache Felder bei der Beutesuche, lernen es aber schnell, Felder, die keine Beute bedeuten, zu ignorieren. Stärkere Felder können einige Fischarten irritieren und das Überschwimmen der Kabel verzögern. Eine vollständige Barrierewirkung haben sie jedoch nicht.“

Es ist nicht umfangreich erforscht, ob die beschriebenen Verhaltensänderungen Auswirkungen auf das gesamte Ökosystem haben. Es gibt Empfehlungen bspw. für den Bau von Unterseekabeln bei Offshore-Anbindungen: „Aus Vorsorgegründen sollten die von Seekabeln ausgehenden magnetischen und elektrischen Felder so gering wie möglich gehalten werden. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie empfiehlt, die Kabel in einer Tiefe von ein bis drei Metern zu verlegen, um eine Temperaturerhöhung an der Sedimentoberfläche und im Meerwasser zu begrenzen. Durch den Abstand zur Sedimentoberfläche werden zudem elektrische und magnetische Felder für am Meeresgrund lebende Tiere reduziert.“ Diese und weitere Aussagen finden Sie hier: https://www.bfs.de/DE/bfs/wissenschaft-forschung/stellungnahmen/emf/offshore.html

Magnetkompass-Systeme können durch elektromagnetische Felder, z.B. durch eine HGÜ-Leitung, beeinflusst werden. Das kann in dem Fall die Richtungsanzeige betreffen, wenn diese Systeme in Navigationssystemen eingebaut sind. Eine Beeinflussung ist unter Umständen möglich, wenn man sich mit derartigen Geräten langsamer als etwa 3 km/h fortbewegt.

Antwort von Redaktion, 06. März 2018

Kommentare

  • Jürgen Binning, 22. Januar 2020

    Welchen Einfluss hat das Magnetfeld einer HGÜ-Leitung mit einer
    Stromstärke von 3.800 Ampere auf die Orientierung von Tieren?
    Welcher Mindestabstand sollte zu Bebauungen und Grundstücksgrenzen
    eingehalten werden, um eine gesundheitliche Beeinflussung des Menschen sicher
    auszuschließen?

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    • Redaktion Bürgerdialog Stromnetz, 27. Februar 2020

      Vielen Dank für Ihre Anfrage.
      Auf der oben zitierten Seite des Bundesministeriums für Strahlenschutz findet sich folgende Angabe: "Im Zuge des Stromnetzausbaus sind auch Gleichstromleitungen an Land geplant, die von statischen elektrischen und magnetischen Feldern umgeben sein werden. Es ist möglich, dass die Magnetfelder, falls ihre magnetische Flussdichte den Bereich des Erdmagnetfeldes (etwa 48 Mikrotesla) erreicht, von Vögeln wahrgenommen werden und das Verhalten in unmittelbarer Nähe der Leitungen beeinflussen. Derzeit wird davon ausgegangen, dass die statischen Magnetfelder von HGÜ-Leitungen in unmittelbarer Trassennähe in etwa die Größenordnung des natürlichen Erdmagnetfeldes erreichen werden. Dieses hat in Deutschland eine Flussdichte von etwa 45 Mikrotesla. [Die Flussdichte nimmt mit steigender Entfernung schnell ab.] Über die elektrischen Feldstärken von HGÜ-Freileitungen im Betriebszustand liegen noch wenig Informationen vor." Direkte Auswirkungen sind bisher nicht bekannt.
      Der Mindestabstand zu Stromleitungen hängt von vielen Faktoren ab. Entscheidend ist die Stärke der auftretenden Felder, welche von der Stromstärke der betriebenen Leitung abhängt. Jeder Anwohner in der Nähe einer Stromleitung kann eine unabhängige Messung auf Kosten des Netzbetreibers durchführen lassen. Bei einer 380-kV-Leitung kann es sein, dass der Grenzwert für elektrische Felder bei Vollauslastung direkt unterhalb der Leitung überschritten wird. Deshalb ist eine Errichtung von Bauten unterhalb von Stromleitungen verboten. Mit steigender Entfernung nimmt die Feldstärke sehr schnell ab. Bereits in 40 Metern Entfernung wird der Grenzwert für elektrische Felder deutlich unterschritten. Viele Informationen zu diesem Thema finden Sie zudem in unserer Infothek: https://www.buergerdialog-stromnetz.de/infothek/filter/Kategorie/Elektromagnetische_Felder/ .

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