Energiewende
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Ist Südlink wirklich notwendig? Und wenn, ist eine derart gigantische Trasse erforderlich? Würde nicht mehr dezentrale Energieerzeugung die Netze auch stark entlasten?

Frage von Ingeborg W., 20. März 2019

Am 4. Februar 2019 haben die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber den neuen Netzentwicklungsplan 2030 (Version 2019/1. Entwurf)) der Öffentlichkeit vorgestellt. Darin ist der im Szenariorahmen genehmigte Ausbaubedarf des Stromnetzes bis zum Jahre 2030 in fünf Szenarien dargestellt (B 2025, A 2030, B 2030, C 2030, und B 2035.) Der neue Netzentwicklungsplan unterstreicht die zentrale Bedeutung der Gleichstromtrasse SuedLink für die zukünftige Energieverteilung innerhalb Deutschlands. In allen Szenarien ist das von der Bundesregierung beschlossene 65-Prozent- Ziel für Erneuerbare Energien am Bruttostromverbrauch bereits einberechnet und der schrittweise Abbau des Kohlekraftwerksparks angenommen,- ähnlich wie er sich auch im kürzlich erzielten Kompromiss der sogenannten "Kohlekommission" widerspiegelt. 

Mehr Informationen zum ersten Entwurf des Netzentwicklungsplans 2030 (Version 2019) finden Sie auf der gemeinsamen Internetseite der Übertragungsnetzbetreiber www.netzentwicklungsplan.de. Dort steht sowohl Langfassung, als auch die Kurzfassung des Netzentwicklungsplans 2030 (Version 2019) zum Download bereit. 

Die Diskussion, ob der geplante Stromnetzausbau durch dezentrale Ansätze, unterschiedliche Speichertechnologien und mehr Windkraft beispielsweise in Süddeutschland insgesamt nicht deutlich geringer ausfallen könnte, wird schon sehr lange und in unterschiedlichen Kreisen intensiv diskutiert. 2018 hat die Renewables Grid Initiative (RGI) ihre aktuelle Studie „Dezentralität, Regionalisierung und Stromnetze“ vorgestellt, die zu diesem Thema wichtige Antworten liefert. In der Meta-Studie - die vom Öko-Institut für die RGI erstellt wurde - wurden zehn prominente Studien zu Dezentralitätskonzepten analysiert und verglichen. Eines der Ergebnisse ist: Selbst wenn alle Speicher- und Flexibilitätsoptionen zur Verfügung stehen würden, bliebe der bis 2030 geplante und bestätigte Netzausbau weiterhin notwendig. 

Der stetig steigende Anteil von erneuerbar erzeugtem Strom - 2018 lag er bereits bei 40 Prozent der Nettostromerzeugung - fordert eine höhere Flexibilisierung des Energiesystems. Wichtig ist, die vorhandenen Stromnetze entsprechend den veränderten Erzeugungsstrukturen und den neuen Energiemarkt-Regeln anzupassen. Neben dem Netzausbau auf der Verteilnetz- und Übertragungsnetzebene spielen natürlich auch der dezentrale Einsatz von Batteriespeichern, die Sektorenkopplung (dezentrale Nutzung des erneuerbar erzeugten Stroms in den Bereichen Wärme und Verkehr) und eine intelligente Steuerung von großen Lasten und Verbrauchern eine bedeutende Rolle bei der Flexibilisierung des Energiesystems. Nach aktuellem Stand der Forschung kann eine dezentrale Stromerzeugung den Netzausbau nicht vermeiden, wenn eine kostengünstige Versorgungssicherheit auch bei einem steigenden Anteil Erneuerbarer Energiequellen im Netz gewährleistet bleiben soll.

Wichtig in diesem Zusammenhang ist auch der europäische Netzverbund, denn mit diesem kann auch Strom aus erneuerbaren Quellen anderer EU-Mitgliedsstaaten bezogen werden. Deutschland ist aufgrund seiner geographischen Lage ein wichtiges Transitland zwischen verschiedenen Energiemärkten und dem SuedLink wird mit seiner Übertragungskapazität von 4 Gigawatt zukünftig eine sehr wichtige Rolle sowohl beim innerdeutschen, als auch beim transeuropäischen Strom-Austausch beigemessen. Die Gleichstromleitung ist daher auch ein Projekt von gemeinsamen Interesse (Project of Common Interest) der Europäischen Union und wird von ihr mit 40 Mio. Euro gefördert. Der große europäische Netzverbund mit Leitungen wie SuedLink ermöglicht eine optimierte Integration der Erneuerbaren Energien, eine effizientere Nutzung des Kraftwerksparks, eine bessere zeitliche Verteilung der Auslastungsspitzen und auch eine kostengünstige Gewährleistung der Versorgungssicherheit. Nicht zuletzt werden so auch insgesamt weniger fossile Kraftwerke in Deutschland und Europa für eine gesicherte Leistung benötigt.

Antwort von Redaktion, 28. März 2019

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