Planung und Genehmigung
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Hallo liebes Bürgerdialog Team,

Warum werden die benötigten Nord-Süd Stromtrassen nicht einfach entlang bestehender Eisenbahnstrecken realisiert. Bedeutet zwar längere Wege, aber mit der Bahn/Bund als Grundstückseigner könnten auseinandersetzungen mit Kommunen/Bürgerinitiativen usw vermieden werden.
Zielpunkte könnten ja auch Standorte bestehender AKWs sein, da von hier ab schon die Netzinfrastruktur ausgebaut ist.

Mit freundlichen Grüßen

Tobias Martin

Frage von Tobias M., 09. Januar 2019

Hinsichtlich der Überlegung neue Stromtrassen entlang bestehender Eisenbahnstrecken zu verlegen, hatte die Bundesnetzagentur ein entsprechendes Gutachten in Auftrag gegeben und 2012 veröffentlicht. In einer Veröffentlichung zum Gutachten nennt die Bundesnetzagentur Gründe, warum die Bahnstromtassen nur sehr bedingt für den Stromnetzausbau in Frage kommen (Auszug): 

"Die bestehenden Bahnstromtrassen sind nur unter engen Restriktionen im Rahmen des anstehenden Netzausbaus nutzbar...Die Gutachter kommen zum Ergebnis, dass eine Parallelführung von 16,7 Hz Bahnstromfreileitungen und HGÜ-Erdkabelsystemen technisch möglich sei. Allerdings stellt diese Variante die mit Abstand teuerste Möglichkeit dar. Mit Blick auf wirtschaftliche Gesichtspunkte schlagen die Gutachter daher im Ergebnis die weitere Prüfung einer Parallelführung von 16,7 Hz-Bahnstrom- und HGÜ-Freileitungen auf einem gemeinsamen Mastgestänge vor. Hierfür wären störungsarme Umbaulösungen nötig, da vorhandene Bahnstromfreileitungsmaste durch neue kombinierte Maste ersetzt werden müssten. Diese Lösungen und die benötigten Masten müssten noch entwickelt werden."

(Quelle: https://www.bundesnetzagentur.de/cln_1931/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2012/120702_GutachtenBahnstromtrassen.html?nn=65116)

Das Gutachten "Machbarkeitsstudie zur Verknüpfung von Bahn- und Energieleitungsinfrastrukturen", welches unter der Leitung der Bundesnetzagentur und in Begleitung durch das BMWi und BMVBS, das Eisenbahnbundesamt, die Deutsche Bahn AG und Vertreter der vier Übertragungsnetzbetreiber in einem umfangreichen Verfahren erstellt wurde, können Sie hier auf der Internetseite der Bundesnetzagentur herunterladen.

Für die zukünftigen Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitungen, wie beispielsweise den SuedLink, werden bestehende Netzinfrastrukturen u. a. von Kernkraftwerken genutzt. So wird beispielsweise eine der geplanten SuedLink-Leitungen im bereits abgeschalteten Kernkraftwerk Grafenrheinfeld enden.

Antwort von Redaktion, 16. Januar 2019

Kommentare

  • Christoph Strebel, 23. Juni 2019

    Bei der Frage ging es um Bahnstrecken. Bei der Antwort um Bahnstromleitungen.
    Gemeint war wohl in der Frage, dass die Leitungen neben oder unter den Gleisen verbuddelt werden könnten.

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    • Redaktion Bürgerdialog Stromnetz, 05. Juli 2019

      Für Stromtrassen gilt das Bündelungsgebot (Link ins BDS-Glossar), das im Bundesnaturschutz- und im Raumordnungsgesetz verankert ist und besagt, dass neue Stromleitungen möglichst entlang von bestehenden Linien-Infrastrukturen wie Bahntrassen, Kanälen, Autobahnen oder aber neben bereits bestehenden Stromtrassen gebaut werden sollen. Indem die Stromnetzinfrastruktur mit der bestehenden Infrastruktur „gebündelt“ wird, können neue Zerschneidungen der Landschaft vermieden werden.

      Das Bündelungsgebot ist angesichts der Vielzahl an verschiedenen Infrastrukturmaßnahmen aber nicht immer die beste Option: So werden bereits stark belastete Regionen und ihre Anwohner noch stärker belastet, obwohl eine neue Leitung mit deutlich weniger Raumwiderständen woanders verlegt werden könnte. Ein ausführlicher Vergleich verschiedener Varianten ist deshalb immer Teil des Genehmigungsverfahrens.
      Hinzu kommt, dass Bahntrassenkorridore nicht immer ausreichend breit sind, um den technischen Anforderungen einer Höchstspannungsleitung zu genügen. Dementsprechend wäre auch hier mit weiteren Eigentümern zu rechnen. Bahntrassen verlaufen regelmäßig durch Siedlungsgebiete. Hier reicht häufig Wohnbebauung bis dicht an die Trasse ran. Bei einer Verlegung der Leitung neben der Bahntrasse müsste die Bahnstrecke für die Bauphase womöglich außer Betrieb genommen werden. Auch in der späteren Betriebsphase stellt die Nähe zu einer Bahntrasse besondere Herausforderungen dar - wenn später bspw. Störungen an einer Infrastruktur auftreten, könnte die andere Infrastruktur mit beeinträchtigt werden.

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