Planung und Genehmigung
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Warum werden die für die Energiewende notwendigen Stromleitungen nicht unter den bzw. entlang der Bundesfernstraßen und Autobahnen verlegt?

(Ich bin Jurist und deshalb mit den technischen Details nicht vertraut. Aber die Frage hat mich lange beschäftigt.)
Es wäre wohl ein längerfristiges Projekt, aber vermutlich könnte man unter den Grünstreifen der Autobahnen ein großes Leerrohr verlegen. Die Autobahnen verbinden ganz Deutschland in einigermaßen effizienten Nord-Süd- und West-Ost-Achsen. Das Land gehört dem Bund bereits. Anwohner, die sich an den Erdkabeln stören, gibt es in der Regel auch keine.
Man könnte jede Baumaßnahme an Autobahnen nutzen, um den jeweiligen Abschnitt mit dem Leer-Rohr zu versehen. Alternativ ließe sich wohl auch eine Art Horizontal-Bohrmaschine verwenden.
Dieses Leer-Rohr könnte man vorerst für Stromkabel, später auch für sonstige Vernetzungen (Glasfaser o.ä.) nutzen.

Frage von Adrian S., 28. April 2018

Erdkabel entlang von Autobahnen zu verlegen scheint sich auf den ersten Blick anzubieten. Die Möglichkeit wird aufgrund des sog. „Bündelungsgebotes“ von der zuständigen Genehmigungsbehörden in den Verfahren geprüft. Schaut man dann genauer hin, zeigen sich bei dieser Variante oft erhebliche Schwierigkeiten beim Bau und Betrieb und das in vielerlei Hinsicht. Die Baumaßnahmen für eine Erdkabeltrasse sind nicht zu unterschätzen. Diese können bei Hoch-und Höchstspannungsleitungen einen Baugraben mit einer Breite von bis zu 40 Meter erfordern und da ist die zusätzliche Straße für die Baufahrzeuge noch nicht mit eingerechnet. Neben Autobahnen gibt es nicht immer ausreichend Platz für eine derartig große Bautrasse und eine Verlegung von Leitungen im sogenannten Straßengrundstück scheidet - wie die Bundesregierung zum Thema schreibt - immer aus. Jede Auf- und Ausfahrt müsste für die Erdkabelverlegung zudem „gedükert“, also unterbohrt werden. Das alles wäre mit erheblichen Verkehrseinschränkungen während der Bauzeit verbunden. Während des Betriebes einer solchen Leitung wären zudem Wartungs- und Reparaturarbeiten an der Autobahn deutlich komplizierter als beispielsweise im "freien Feld".  So kann davon ausgegangen werden, dass Wartung und Reparatur von Erdkabelleitungen zu erheblichen Verkehrseinschränkungen bis hin zur Sperrung des entsprechenden Autobahnabschnitts führen. Auch muss bei einer Verlegung entlang Autobahnen aus technischen Gründen stets die Wärmeableitung vom Kabel gewährleistet sein, d.h. zwischen den Kabeln müssten die Mindestabstände eingehalten werden, damit eine gegenseitige thermische Beeinflussung verhindert wird. 

Während der einzelnen Planungsschritte sind u.a. umfangreiche Umweltprüfungen erforderlich (, d.h. Fragen des Bodenschutzes oder auch des Natur-und Tierschutzes sind dabei neben den anderen Schutzgütern zu klären). Auch müssen Anforderungen des Strahlenschutzes erfüllt werden, denn auch hier können gesetzliche Mindestabstände erforderlich werden. Nicht zuletzt sind auch die Gesamtbelastungen für die Bürgerinnen und Bürger zu bedenken, die entlang von Autobahnen wohnen. So kann beispielsweise im Verfahren festgestellt werden, dass eine geplante Stromtrasse in einem Gebiet mit Autobahn und beispielsweiser einer ICE-Trasse, zu einer zu hohen Belastung für die dort lebenden Menschen führen würde.

Somit gibt es bei einer Verlegung von Erdkabeln entlang von Autobahnen viele Fragen, Herausforderungen und Sachverhalte zu klären. Nichts desto trotz bleibt eine Verlegung von Erdkabeln entlang von Autobahnen eine von vielen Möglichkeiten und die zuständigen Genehmigungsbehörden werden eingebrachte Vorschläge im Verfahren prüfen. 

Antwort von Redaktion, 03. Mai 2018

Kommentare

  • Andreas Meier, 02. April 2019

    Zu den Argumenten aus Ihrer Antwort, die gegen eine Verlegung an der Autobahn sprechen, möchte ich folgendes anmerken: Laut Aussagen des Netzbetreibers "Tennet" wäre bei Anwendung der 525kV-Kabeltechnologie eine maximale Breite des Kabelgrabens von etwa 1,5m - 1,7m nötig. Die beiden 525kV-Kabel können in einem Abstand von etwa 1,5m zueinander verlegt werden. Tennet geht inzwischen selbst davon aus, dass die 525kV-Technik zu Einsatz kommt. Die elektromagnetische Strahlung der Trasse betragt -ebenfalls laut Tennet- an der Erdoberfläche direkt über dem Kabel einen geringeren Wert als beispielsweise das Erdmagnetfeld. Beeinflussung von Anwohnern (direkt neben der Autobahn eher selten) sowie von Fahrzeugtechnik (autonomes Fahren etc.) sind deshalb laut Tennet und auch laut Experten aus der Fahrzeugtechnik-Branche ausgeschlossen. Ein "Unterdükern" von Ausfahrten etc. ist zwar aufwändig, aber angesichts der Tatsache, dass beim SüdOstLink sogar die Donau unterdükert werden soll, technisch wohl zu lösen. Inzwischen gibt es Verfahren, in geschlossener Bauweise bis zu 1500 Meter zu verlegen. Der nötige Schutzstreifen oberhalb eines Grabens entlang der Autobahn könnte wesentlich schmäler ausfallen, da direkt neben der Autobahn weder Landwirtschaft betrieben wird noch tiefwurzelnde Bäume gepflanzt werden... Warum man eine komplette Autobahn wegen eines Grabens von gerade einmal 1,5m bis 1,7m sperren sollte, erschließt sich mir ebenfalls nicht. Im Telekommunikationsbereich ist es übrigens Gang und Gäbe, Kabel direkt neben die Autobahn zu legen, es gibt hierzu sogar einschlägige Regelwerke und Musterverträge mit dem BMVI. Insgesamt also leine Zwingenden Gründe, die gegen eine V Erlegung direkt neben der Autobahn sprechen würden...!

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  • Roman P., 10. Februar 2019

    Die hervorgebrachten Gegenargumente zum synergetischen Nutzen zwischen Autobahn und Stromtrasse erscheinen wenig plausibel. Auch für Autobahnen wurden einst Trassen gebaut. Nun soll ausgerechnet das Planungsvorhaben von Stromtrassen entlang von Autobahntrassen unabsehbare Folgen mit sich bringen, im Gegensatz zum reißbrettartigen Streckenverlauf durch landwirtschaftliche Produktionsflächen.
    Eine Belastung der Umwelt und der Anwohner geht bereits von den Autobahnen selbst aus. Autobahnen verursachen Emissionen in die Luft und ins Gewässersystem. Es geht eine hohe Lärmbelastung von ihnen aus und zusätzlich führen sie zu einer Landschaftszerschneidung. Daher geht auch ganz unabhängig von einer Stromtrasse bereits jedem Planungsvorhaben für eine Autobahn eine umfangreiche Umweltprüfung voraus. Die landschaftsökologischen Gutachten, die bereits beim Bau der jeweiligen Autobahn verfasst werden mussten, liegen also bereits häufig für die zukünftigen Stromtrassen in der Schublade. Wo dies nicht der Fall ist, läge immer noch kein zusätzlicher Arbeitsaufwand vor: Diese Gutachten müssen nämlich auch dann für Stromtrassen erstellt werden, wenn diese gar nicht entlang von Autobahnen führen! Darüber hinaus führt, bezogen auf das Gegenargument der Wärmeentwicklung, der Verkehr von mehreren tausenden Fahrzeugen pro Tag auf den Autobahnen selbstverständlich von sich aus zu einer Wärmeentwicklung auch ohne Stromtrasse. Welche Temperaturen entstehen hier eigentlich? Gibt es dazu Zahlen oder werden hier nur Allgemeinplätze hervorgebracht, um sich möglichst überhaupt nicht kreativ mit der Thematik auseinandersetzen zu müssen? Landwirte würden sich freuen, wenn die Stromtrassen entlang von Autobahnen geführt werden würden, statt unterhalb ihrer Äcker. Und sollte die Wärmeentwicklung tatsächlich enorm hoch sein, würden sich zahlreiche Autofahrer im Winter über eine eisfreie Autobahn freuen.

    Die Verkehrsbelastungen, die angeblich zusätzlich durch eine Verlegung von Erdkabeln entlang von Autobahnen entstehen würden, suggerieren, dass die Autobahnen Deutschlands derzeit einen reibungslosen Verkehrsablauf garantieren würden. Aber auch hier zeigt sich, dass zahlreiche Baustellen bereits durch die vielen Sanierungsmaßnahmen an deutschen Autobahnen vorhanden sind. Diese ziehen sich über Monate hinweg, ohne dass man bislang in Erwägung gezogen hat, die Zeit zu nutzen, um parallel Stromkabel oder zumindest Röhren bei jeder Sanierungsmaßnahme schlicht mitzuverlegen (wie von Adrian S. vorgeschlagen). Hier wäre ein straff durchorganisiertes Management, dass die Planungsabläufe aller Baustellen in Deutschland aufeinander abstimmt wohl entscheidender, als die technischen Lösungen, die ja durchaus gegeben sind.
    Generell stellt sich die Frage, warum eigentlich für Leitungen, die ca. 18-20 m breit sind und eine eigentliche Arbeitsbreite von etwa 40 m benötigen, eine Trassenbreite von bis zu 1.000 m veranschlagt wird. Dies liegt an rechtlichen Bestimmungen für den Arbeitsschutz, Umweltschutz und Naturschutz. Inwiefern hier jedoch entlang von Autobahnen tatsächlich 500-1.000 m dringend erforderlich wären, wäre kritisch zu überprüfen. Aus naturschutzfachlicher Sicht ist eine 1.000 m breite Randzone vielleicht generell als positiv zu bewerten. Wenn jedoch auf eine solche Randzone entlang der ökologisch ohnehin eher unvorteilhaften Autobahn verzichtet werden könnte, um dadurch Trassen auf freier Fläche, die ganze Landschaften umgraben, zu verhindern, dürfte das nicht nur vorteilhaft für die umgebende Flora und Fauna sein, sondern auch für die ansässigen Landwirte. Eine technische Notwendigkeit für eine Trassenbreite von bis zu 1.000 m für Leitungsbahnen die 20 m in Anspruch nehmen, gibt es freilich nicht.
    Durchaus mag es sein, dass an vielen Stellen, beispielsweise bei innerstädtischen Autobahnen, gar keine Randzone entlang der Fahrbahnen existiert. Das täuscht jedoch darüber hinweg, dass mit Abstand der längste Streckenverlauf von Autobahnen eben doch durch die offene Landschaft führt – Randzonen die die Fahrbahnen von beiden Seiten flankieren inklusive! Man kann also durchaus das Gros eines Stromtrassenverlaufs entlang der Randzonen an Autobahnen installieren. Nur innerorts, falls das überhaupt geplant ist, müsste man sich alternative Verbundlösungen einfallen lassen.
    Und überhaupt, warum müssen es zwangsläufig Erdleitungen entlang von Autobahnen sein? Die Landschaft wurde ja bereits zuvor durch die Autobahn verschandelt. Warum können auf den Randzonen keine Überlandleitungen installiert werden? Mit Randzone ist ja eben nicht der Randstreifen auf der Fahrbahn gemeint, sondern der verbuschte Streifen, der sich i. d. R. beiderseits der Autobahnen befindet und weder einen hohen ökologischen Wert aufweist noch eine besonders vorteilhafte Fläche für hochwertige landwirtschaftliche Produkte anbietet.
    Der kurze Überblick über die gegebenen Synergien oder über den gegenseitigen Ausschluss von Stromtrassen und Autobahnen zeigt vor allem eines:
    Hier scheint sich ein bürokratischer Akt aufzutun, der jedoch jegliche kreative Herangehensweise, wie sie in der freien Wirtschaft oder in der Forschung üblich sind, vermissen lässt. Statt nur die Probleme zu sehen, die unweigerlich bei jedem zusätzlichen Planungsvorhaben dieser Größenordnung entlang von Autobahnen entstehen, sollte man mehr Zeit investieren, diese Probleme technisch und organisatorisch zu lösen, statt diesen partout aus dem Weg zu gehen.

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