Energiewende
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Warum werden Marktbasierte Strategien wie nodal pricing nicht verfolgt um dem Druck zum Netzausbau entgegen zu wirken.

Ohne wirtschaftlichen Anreiz den Strom Konsum räumlich in zeitlich and die vorhandenen Netz Infrastruktur anzupassen wird der Druck das Stromnetz auszubauen Weiter und weiter steigen. Mit Preis Differenzierung müsste das Stromnetz weniger ausgebaut werden.

Ein weiterer Vorteil des System von nodal pricing wäre die Möglichkeit Netzentgelt kosten Transparenter zu gestalten.

Um zwei mögliche Hürden anzusprechen:
a) Mann könnte ein nodal pricing system langsam Einführen in dem man ein Preiskorridor von dem bundesweiten Mittelwert definiert der sich über Zeit ausweitet.

b) Falls diese Änderung eine regressive Last auf Geringverdiener ist könnte sie durch entsprechende Subventionen kompensiert werden.

Frage von Max A., 08. Oktober 2018

Das Konzept des "nodal pricing" ist ohne Frage ein interessantes Modell im Bereich Stromhandel/Marktdesign. Eine „einheitliche Strompreiszone“ ist ein weit milderes Mittel, als das kleinteilige und komplexere „Nodal Pricing“. Darauf weisen immer wieder Wissenschaftler hin, die zum "Nodal Pricing" forschen. Gerade mit Hinweis auf Erfahrungen in den USA sind sie der Meinung, das dann jede Strecke zwischen zwei Netzknoten bepreist werden müsste und sich bei auftretenden Knappheiten hohe Preise ausbilden müssten. Die deutsche Bundesregierung hat daher gesetzlich festgehalten, dass in Deutschland ein einheitlicher Strompreis gelten soll, nicht zuletzt auch mit Bezug zum Grundgesetzartikel 72, Absatz 2 ("Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse im Bundesgebiet"). Die Bundesregierung hält die einheitliche deutsche Gebotszone für ein hohes Gut. Sie ist wichtig für die Integration von erneuerbaren Energien, die kosteneffiziente Gewährleistung der Versorgungssicherheit und für den Wettbewerb. Experten weisen immer wieder darauf hin, dass eine Regionalisierung des Strommarkts zu weniger Konkurrenz insgesamt führen würde und dann wenige große Marktakteure die Preise bestimmen könnten. Eine Teilung der einheitlichen Strompreiszone könnte für den Wirtschaftsstandort Deutschland und für das Vorankommen der Energiewende erhebliche Auswirkungen haben. Es ist damit zu rechnen, dass eine erste unmittelbare Folge von kleineren Gebotszonen neue innerstaatliche Handelshemmnisse und unterschiedliche Preise wären. Dies würde auch dazu führen, dass der Windstrom aus dem Norden nur noch begrenzt in den Süden gehandelt werden könnte.

Fachleute sehen erhebliche Zweifel, dass durch einen sogenannten Gebotszonensplit schneller mehr Netzausbauvorhaben realisiert würden, weil die wesentlichen Gründe für den verzögerten Netzausbau nicht in den fehlenden ökonomischen Anreizen liegen. Außerdem sendet ein Gebotszonensplit keine eindeutigen ökonomischen Anreize für den Netzausbau. Die Differenzierung wird tatsächlich immer wieder eingefordert, sowohl beim Strompreis selbst an der Börse als auch bei den Netznutzungsentgelten. Das könnte auch in der Tat zu einer Entlastung beitragen, allerdings ist der Umfang unklar.
 
Das Bundeswirtschaftministerium (BMWi) hat in der aktuellen Studie "Nodale und zonale Strompreissysteme im Vergleich" vom 31. Juli 2018 u.a. auch die Vor-und Nachteile der verschiedenen Modelle genauer untersucht. Die Studie können Sie auf der Internetseite des BMWi  herunterladen: https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Publikationen/Studien/nodale-und-zonale-strompreissysteme-im-vergleich.pdf?__blob=publicationFile&v=4
 
Zur Frage b): Ein sozialer Ausgleich für Geringverdiener könnte eine Lösung sein, wenn Strom zu teuer werden sollte. In diesem Zusammenhang müssten bestehende Entlastungen der Industrie überprüft werden.

Antwort von Redaktion, 12. Oktober 2018

Kommentare

  • Max A, 14. Oktober 2018

    >Die deutsche Bundesregierung hat daher gesetzlich festgehalten, dass in Deutschland ein einheitlicher Strompreis gelten soll, nicht zuletzt auch mit Bezug zum Grundgesetzartikel 72, Absatz 2 ("Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse im Bundesgebiet"). Die Bundesregierung hält die einheitliche deutsche Gebotszone für ein hohes Gut.

    Gelich- heißt nicht identisch und -wertig heißt nicht preislich. Das Ziel des Gesetzes ist eine Sicherung ähnlicher Lebensqualität. Dies erlaubt dass Preise für bestimmte Produkte und Leistungen im Bundesgebiet innerhalb von einem angemessen Rahmen variieren dürfen, so wies sie es auch für Öl, Wasser und Gas, geschweige denn Mieten tun. Wenn gleichwertiger Lebensverhältnisse gleiche Preise bedeuten würden, dann warum auch nicht für diese anderen notwendigen Produkte? Wenn es um Sicherung gleicher Verhältnisse geht dann wären kosten-basierte Zuschüsse wie beim Wohngeld eine deutlich effektivere Lösung. Ich persönlich sehe dies als eine eher bröckelige post- hoc Begründung.

    Man kann in einem Nodal-pricing Ansatz Strompreise innerhalb einem angemessen Rahmen zu halten, in dem man entsprechende gesetzlichen Rahmenbedingungen setzt. Zusätzlich kann man durch gezielten Netzausbau Preis Differenzen verringern.


    > Sie ist wichtig für die Integration von erneuerbaren Energien, die kosteneffiziente ewährleistung der Versorgungssicherheit und für den Wettbewerb.

    Die zentrale Frage bei einem Nodal-pricing Ansatz ist ob ein Markt-basiertes System nicht vielleicht doch in einem kosten-effizienterem Netz als dem momentanen (Planwirtschaftlichem?) resultieren würde, zumal es bei einem Preis-basierten Ansatz die Möglichkeit gibt Konsum zu steuern. Natürlich wird der Ausbau vom Netz trotzdem viel kosten aber vielleicht weniger als unter dem momentanen System.
    Als kleines Gedankenexperiment: mit einem Nodal-pricing Ansatz wäre es erst gar nicht zu dem jetzt problematischen Nord-Sued Gefälle gekommen, da sich durch sinkende Preise der Ausbau Erneuerbaren Energien im Norden automatisch selbst aus-gebremst hätte.


    > Experten weisen immer wieder darauf hin, dass eine Regionalisierung des Strommarkts zu weniger Konkurrenz insgesamt führen würde und dann wenige große Marktakteure die Preise bestimmen könnten.

    Preissetzungsmacht ist kein automatisches Ergebnis eines Nodal-pricing, sie hängt auch von den gesetzlichen Rahmenbedingungen ab. Der Strommarkt wäre durch Börsen sehr transparent und große Marktakteure könnten gut überwacht werden. Zusätzlich wird das entscheidenden Nord-Sued Gefälle nicht von großen Marktakteure beeinflussbar sein.



    > Eine Teilung der einheitlichen Strompreiszone könnte für den Wirtschaftsstandort Deutschland und für das Vorankommen der Energiewende erhebliche Auswirkungen haben. Es ist damit zu rechnen, dass eine erste unmittelbare Folge von kleineren Gebotszonen neue innerstaatliche Handelshemmnisse und unterschiedliche Preise wären.

    Unterschiedliche Preise sind meistens ein Handelsanreiz. Sie haben vermutlich eher „wirtschaftliche Mehrkosten für süddeutsche Bundesländer“ oder „Mehrkosten durch Planungs-unsicherheit“ gemeint.


    > Dies würde auch dazu führen, dass der Windstrom aus dem Norden nur noch begrenzt in den Süden gehandelt werden könnte.

    Nodal-pricing erlaubt das transportieren von Strom über mehre Zonen, es kommt zu keinen zusätzlichen Einschränkungen, die einzige Einschränkung für Windstrom aus dem Norden wären nach wie vor mangelnde Leitungskapazität.


    > Fachleute sehen erhebliche Zweifel, dass durch einen sogenannten Gebotszonensplit schneller mehr Netzausbauvorhaben realisiert würden, weil die wesentlichen Gründe für den verzögerten Netzausbau nicht in den fehlenden ökonomischen Anreizen liegen. Außerdem sendet ein Gebotszonensplit keine eindeutigen ökonomischen Anreize für den Netzausbau.

    Nodal-pricing ist eine Änderung auf eben der Preisfeststellung, die man auch völlig entkoppelt von ihrem Einfluss auf den Netzausbau betrachten kann. Auch bei einem unveränderten Netz, beeinflussen Preise Konsum und Investitionen um zu einem effizienteren System zu führen. Deshalb sollte ein solcher Ansatz nicht an der resultierenden Netzausbau-geschwindigkeit sondern anhand der resultierenden gesamtwirtschaftlichen Effizienz bewertet werden.
    Durch Nodal-pricing gibt es in sofern einen eindeutigen Anreize für den Netzausbau weil man durch neue Leitungen Strom zwischen Zonen mit geringen und hohen Preisen transportieren kann und die Preisdifferenz erwirtschaftet. Somit gibt es einen Markt-basierten Preis der die Sinnhaftigkeit eines Vorhabens beziffert.

    Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Sie wird nur zur persönlichen Beantwortung von Fragen und bei eventuellen Rückfragen verwendet. Mehr dazu in unseren Informationen zum Datenschutz.

    • Redaktion Bürgerdialog Stromnetz, 23. Oktober 2018

      Sehr geehrter Herr Argus,

      vielen dank für Ihre sehr konkreten und fundierten Anmerkungen. Viele Punkte können wir durchaus nachvollziehen und sie scheinen uns auch noch nicht ausdiskutiert zu sein. Wir haben daher einige Anmerkungen auf Ihre Kommentierung (>):

      > Man kann in einem Nodal-pricing Ansatz Strompreise innerhalb einem angemessen Rahmen zu halten, in dem man entsprechende gesetzlichen Rahmenbedingungen setzt. Zusätzlich kann man durch gezielten Netzausbau Preis Differenzen verringern.

      Antwort Redaktion: Unser Anliegen war es, die Begründung für das Parlament zu erläutern, warum hier kein Handlungsbedarf gesehen wurde.

      > Die zentrale Frage bei einem Nodal-pricing Ansatz ist ob ein Markt-basiertes System nicht vielleicht doch in einem kosten-effizienterem Netz als dem momentanen (Planwirtschaftlichem?) resultieren würde, zumal es bei einem Preis-basierten Ansatz die Möglichkeit gibt Konsum zu steuern. Natürlich wird der Ausbau vom Netz trotzdem viel kosten aber vielleicht weniger als unter dem momentanen System. Als kleines Gedankenexperiment: mit einem Nodal-pricing Ansatz wäre es erst gar nicht zu dem jetzt problematischen Nord-Sued Gefälle gekommen, da sich durch sinkende Preise der Ausbau Erneuerbaren Energien im Norden automatisch selbst aus-gebremst hätte.

      Antwort Redaktion: Dann wäre nach unserer Ansicht aber das Klimaziel noch weniger erreicht worden, denn nach unseren Erkenntnissen wäre es nicht zu einer Kompensation in Bayern gekommen. Es wäre dann an anderer Stelle Regelungsbedarf gewesen.

      > Preissetzungsmacht ist kein automatisches Ergebnis eines Nodal-pricing, sie hängt auch von den gesetzlichen Rahmenbedingungen ab. Der Strommarkt wäre durch Börsen sehr transparent und große Marktakteure könnten gut überwacht werden. Zusätzlich wird das entscheidenden Nord-Sued Gefälle nicht von großen Marktakteure beeinflussbar sein.

      Antwort Redaktion: Wir müssen hier unsere Aussage eingrenzen: In der Tat haben wir eine alles verbindende Börse hierbei nicht vorausgesetzt. Sie ist tatsächlich der Garant für ähnliche (s.o.) Preise. Sie wird in der landläufigen Diskussion vor Ort auch nicht wirklich vorausgesetzt, vielmehr wird oft von „regionalen Wirtschaftskreisläufen“ ausgegangen, die am Ende auch kein Netz mehr brauchen. Insofern war unsere Begründung hier vielleicht etwas verkürzt.

      > Nodal-pricing erlaubt das transportieren von Strom über mehre Zonen, es kommt zu keinen zusätzlichen Einschränkungen, die einzige Einschränkung für Windstrom aus dem Norden wären nach wie vor mangelnde Leitungskapazität.

      Antwort Redaktion: Vielleicht ist an der Stelle ja doch der dann hohe Preis handelsbegrenzend.

      > Nodal-pricing ist eine Änderung auf eben der Preisfeststellung, die man auch völlig entkoppelt von ihrem Einfluss auf den Netzausbau betrachten kann. Auch bei einem unveränderten Netz, beeinflussen Preise Konsum und Investitionen um zu einem effizienteren System zu führen. Deshalb sollte ein solcher Ansatz nicht an der resultierenden Netzausbau-geschwindigkeit sondern anhand der resultierenden gesamtwirtschaftlichen Effizienz bewertet werden. Durch Nodal-pricing gibt es in sofern einen eindeutigen Anreize für den Netzausbau weil man durch neue Leitungen Strom zwischen Zonen mit geringen und hohen Preisen transportieren kann und die Preisdifferenz erwirtschaftet. Somit gibt es einen Markt-basierten Preis der die Sinnhaftigkeit eines Vorhabens beziffert.

      Antwort Redaktion: Gemeint hatten wir, dass es durch unterschiedliche Preise in Regionen im jetzigen, regulierten System für den Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) keinen weiteren Anreiz gibt, schneller zu bauen. Es ist für diesen einfach von geringer Bedeutung. Es sei denn, die Politik schafft dafür beispielsweise neue "Prio-Regeln". Es gibt auch Fachmeinungen, die sich für eine nur z.B. 95 prozentige Erstattung der Redispatchkosten aussprechen, um genau damit einen Anreiz zu schaffen, den Netzausbau zu forcieren.

      Mit freundlichen Grüßen,

      Ihr Redaktionsteam Bürgerdialog Stromnetz

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