Energiewende
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Warum wird die neue erforderliche Stromtrasse nicht entlang bereits bestehender Trassen - wie zum Beispiel Autobahnen oder Bahntrassen - von Nord nach Süd verlegt?

Frage von Michaela M., 12. Juni 2019

Freileitungstrassen entlang von Autobahnen und/oder Bahntrassen sieht man in Deutschland sowie in vielen anderen Ländern der Welt sehr häufig. Dagegen sind neue Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitungen (HGÜ), die als Erdkabel verlegt werden sollen, eine neue Herausforderung. Auch diese entlang von Autobahnen zu verlegen, scheint sich auf den ersten Blick anzubieten. Schaut man dann genauer hin, zeigen sich bei dieser Variante oft erhebliche Schwierigkeiten beim Bau und Betrieb und das in vielerlei Hinsicht.

Die Baumaßnahmen für eine Erdkabeltrasse sind nicht zu unterschätzen. Diese können bei Hoch-und Höchstspannungsleitungen einen Baugraben mit einer Breite von bis zu 40 Meter erfordern und eine zusätzliche Straße müsste für die Baufahrzeuge noch eingerechnet werden. Neben Autobahnen gibt es nicht immer ausreichend Platz für eine große Bautrasse und eine Verlegung von Leitungen im sogenannten Straßengrundstück scheidet - wie die Bundesregierung zum Thema schreibt - immer aus. Jede Auf- und Ausfahrt müsste für die Erdkabelverlegung zudem „gedükert“, also unterbohrt werden. Das alles wäre mit erheblichen Verkehrseinschränkungen während der Bauzeit verbunden. Während des Betriebes einer solchen Leitung wären zudem Wartungs- und Reparaturarbeiten an der Autobahn deutlich komplizierter als beispielsweise im "freien Feld".  So kann davon ausgegangen werden, dass Wartung und Reparatur von Erdkabelleitungen zu erheblichen Verkehrseinschränkungen bis hin zur Sperrung des entsprechenden Autobahnabschnitts führen.

Auch muss bei einer Verlegung entlang Autobahnen aus technischen Gründen stets die Wärmeableitung vom Kabel gewährleistet sein, d.h. zwischen den Kabeln müssten die Mindestabstände eingehalten werden, damit eine gegenseitige thermische Beeinflussung verhindert wird. Während der einzelnen Planungsschritte sind u.a. umfangreiche Umweltprüfungen erforderlich (d.h. Fragen des Bodenschutzes oder auch des Natur-und Tierschutzes sind dabei neben den anderen Schutzgütern zu klären). Auch müssen Anforderungen des Strahlenschutzes erfüllt werden, denn auch hier können gesetzliche Mindestabstände erforderlich werden. Nicht zuletzt sind auch die Gesamtbelastungen für die Bürgerinnen und Bürger zu bedenken, die entlang von Autobahnen wohnen. So kann beispielsweise im Verfahren festgestellt werden, dass eine geplante Stromtrasse in einem Gebiet mit Autobahn und beispielsweiser einer ICE-Trasse, zu einer zu hohen Belastung für die dort lebenden Menschen führen würde. Somit gibt es bei einer Verlegung von Erdkabeln entlang von Autobahnen viele Fragen, Herausforderungen und Sachverhalte zu klären.

Nichts desto trotz bleibt eine Verlegung von Erdkabeln entlang von Autobahnen eine von vielen Möglichkeiten und die zuständigen Genehmigungsbehörden werden eingebrachte Vorschläge im Verfahren prüfen. Erst kürzlich hat das Bundesverkehrsministerium mitgeteilt, dass es eine Kabelverlegung für die HGÜ-Leitung SuedOstLink entlang der Autobahn A93 technisch für möglich hält. Die Bundesnetzagentur wird diese Alternative prüfen. 

Hinsichtlich der Überlegung neue Stromtrassen entlang bestehender Eisenbahnstrecken zu verlegen, hatte die Bundesnetzagentur ein entsprechendes Gutachten in Auftrag gegeben und 2012 veröffentlicht. In einer Veröffentlichung zum Gutachten nennt die Bundesnetzagentur Gründe, warum die Bahnstromtassen nur sehr bedingt für den Stromnetzausbau in Frage kommen (Auszug): "Die bestehenden Bahnstromtrassen sind nur unter engen Restriktionen im Rahmen des anstehenden Netzausbaus nutzbar...Die Gutachter kommen zum Ergebnis, dass eine Parallelführung von 16,7 Hz Bahnstromfreileitungen und HGÜ-Erdkabelsystemen technisch möglich sei. Allerdings stellt diese Variante die mit Abstand teuerste Möglichkeit dar.

Mit Blick auf wirtschaftliche Gesichtspunkte schlagen die Gutachter daher im Ergebnis die weitere Prüfung einer Parallelführung von 16,7 Hz-Bahnstrom- und HGÜ-Freileitungen auf einem gemeinsamen Mastgestänge vor. Hierfür wären störungsarme Umbaulösungen nötig, da vorhandene Bahnstromfreileitungsmaste durch neue kombinierte Maste ersetzt werden müssten. Diese Lösungen und die benötigten Masten müssten noch entwickelt werden." (Quelle: https://www.bundesnetzagentur.de/cln_1931/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2012/120702_GutachtenBahnstromtrassen.html?nn=65116)

Das Gutachten "Machbarkeitsstudie zur Verknüpfung von Bahn- und Energieleitungsinfrastrukturen", welches unter der Leitung der Bundesnetzagentur und in Begleitung durch das BMWi und BMVBS, das Eisenbahnbundesamt, die Deutsche Bahn AG und Vertreter der vier Übertragungsnetzbetreiber in einem umfangreichen Verfahren erstellt wurde, können Sie auf der Internetseite der Bundesnetzagentur herunterladen.

Antwort von Redaktion, 14. Juni 2019

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