Elektromagnetische Felder
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Welche gesundheitlichen Risiken entstehen aus Ihrer Sicht wenn Starkstrom in extrem naher Menschenlage gebaut und eingesetzt wird?

Sehr geehrte Damen und Herren, Bei einer Gefahrenzone von 100m kann das Risiko bei Kindern an Leukämie zu erkranken bei 100% liegen. Wenn die Trasse z.B. Direkt durch Uttrichshausen führt, betrifft dies unmittelbar auch alle Menschen. Auch wenn die Leitung in 60-70m Höhe erfolgt, so sind alle Lebewesen im Tal davon betroffen. Hier fehlt es seitens der Regierung an Warnungen, zur gesundheitlichen Langzeitentwicklung, die den Bürgern aus meiner persönlichen Sicht vorenthalten wird. Wie ist der aktuelle Stand zum Ausbau? Im Netz kann ich den Verlauf bis 09/17 einsehen, jedoch keine endgültige Entscheidung. Welche gesundheitlichen Risiken entstehen aus Ihrer Sicht wenn Starkstrom in extrem naher Menschenlage gebaut und eingesetzt wird?

Ich beziehe mich hierbei auf eine Studie aus UK, eine große britische Studie der Zeitung Morgen. Bei dieser Studie wurden 35.000 Kinder untersucht, die an Krebs erkrankt waren. Magnetfelder können nur schwer abgeschirmt werden und durchdringen Gebäude, wie auch Menschen praktisch ungehindert. Leidtragende sind dann die sensiblem, die Schwächeren, die Älteren, die ganz Jungen und die Gebrechlichen. Ich bitte daher um eine detaillierte Erläuterung wie die Stromnetzbauer bei diesem immensen Nord Süd Projekt in Milliarden Höhe mit der Gesundheit der Menschen umgehen, die zukünftig in nächster Nähe einer Starkstromleitung leben müssen.

Frage von Janina B., 11. Februar 2018

Wir vermuten, dass Sie beim "Nord-Süd Projekt" die geplante Gleichstromtrasse SuedLink (BBPlG-Vorhaben Nr. 3 und 4) meinen. Sollte dies der Fall sein, können wir Ihnen dazu mitteilen: Für den SuedLink steht derzeit der endgültige Trassenverlauf noch gar nicht fest. Die Bundesnetzagentur wird diesen im laufenden Verfahren erst noch festlegen, d.h. ob z.B. Uttrichshausen bzw. Ihre Region davon betroffen ist, kann derzeit niemand sagen.

Nun zu Ihren Fragen zum Thema Leukämie bei Kindern: In der Fachstellungnahme der RWTH Aachen zum Thema "Gesundheitliche Wirkungen elektrischer und magnetischer Felder von Stromleitungen" wird eine wissenschaftliche Einschätzung dieser Frage vorgenommen und auf wissenschaftliche Studien hingewiesen. Hier ein Auszug aus der o.g. Fachstellungnahme der RWTH Aachen:

Krebs und Kinderleukämie
Seit rund 30 Jahren wird ein möglicher Zusammenhang zwischen extrem niederfrequenten Magnetfeldern und dem Auftreten von Krebs in zahlreichen epidemiologischen Studien untersucht. Bei Erwachsenen ergaben sich keine Hinweise, dass bei lang andauernder beruflicher oder häuslicher Exposition gegenüber niederfrequenten Magnetfeldern ein erhöhtes Risiko existiert, an Krebs (z.B. Leukämie, Brustkrebs oder Hirntumor) zu erkranken. Bei Kindern zeigten die Ergebnisse epidemiologischer Studien ein erhöhtes Risiko für Kinderleukämie bei magnetischen Flussdichten über 0,3-0,4 μT auf. Aufgrund dieser Studien stufte das internationale Krebsforschungszentrum (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) niederfrequente Magnetfelder in die Klasse 2B „möglicherweise krebs-erregend“ ein (2002 und 2007). Allerdings ist die Aussagekraft von epidemiologischen Studien durch methodische Probleme, wie beispielsweise Selektionsbias (eine systematische Verzerrung durch ein unterschiedliches Teilnahmeverhalten von Fall- und Kontrollgruppe) eingeschränkt (vgl. auch Hintergrundinformationen zum Bewertungsprozess gesundheitlicher Wirkungen). Zudem wurde bisher kein zugrundeliegender Wirkungsmechanismus aufgedeckt, der die Entstehung von Leukämie bei schwachen Magnetfeldern erklären könnte. Die Ergebnisse der epidemiologischen Studien konnten durch tierexperimentelle Studien ebenfalls nicht bestätigt werden. Leukämie im Kindesalter ist eine vergleichsweise seltene Krankheit (weltweit etwa 49.000 neuer-krankte Fälle pro Jahr, in Deutschland ca. 600 Fälle pro Jahr) deren Ursachen weitgehend unklar sind. Eine häusliche Exposition bei magnetischen Flussdichten von mehr als 0,3 μT ist ebenfalls sehr selten (nur ca. 1-4 % der Kinder betroffen) und setzt sich zu einem Drittel aus Quellen außerhalb der Wohnungen (z.B. Hochspannungsfreileitungen) und zu zwei Dritteln aus häuslichen Quellen wie z.B. Haushaltsgeräten zusammen. Die WHO hat 2007 die Durchführung von neuen gepoolten Analysen unter Einbeziehung der neueren epidemiologischen Studien zu Kinderleukämie und Magnetfeldern, die Entwicklung von transgenen Tiermodellen zur Untersuchung der Kinderleukämie mit extrem niederfrequenten Magnetfeldern sowie die mögliche kokarzinogene Wirkung von Magnetfeldern mit hoher Priorität eingestuft. Die Strahlenschutzkommission (SSK) kommt in ihrer Empfehlung von 2008 zu dem Schluss, dass auch nach Bewertung der neueren wissenschaftlichen Literatur keine wissenschaftlichen Erkenntnisse in Hinblick auf mögliche Beeinträchtigungen der Gesundheit durch niederfrequente elektrische und magnetische Felder vorliegen, die ausreichend belastungsfähig wären, um eine Veränderung der bestehenden Grenzwertregelung der 26. BImSchV zu rechtfertigen. Aus der Analyse der vorliegenden wissenschaftlichen Literatur ergeben sich auch keine ausreichenden Belege, um zusätzliche verringerte Vorsorgewerte zu empfehlen, von denen ein quantifizierbarer gesundheitlicher Nutzen zu erwarten wäre. Die Strahlenschutzkommission stellt jedoch ebenfalls einen Forschungsbedarf in experimentellen und dosimetrischen Bereichen fest.

Quelle/Link: Fachstellungnahme der RWTH Aachen zum Thema "Gesundheitliche Wirkungen elektrischer und magnetischer Felder von Stromleitungen" 

Darüber hinaus informiert das Bundesamt für Strahlenschutz u.a. auf ihrer Internetseite über den aktuellen Stand der Wissenschaft zum Thema: http://www.bfs.de/DE/themen/ion/wirkung/krebs/leukaemie-kinder/leukaemie-kinder_node.html

Zu Ihren Fragen zum Wohnumfeldschutz/Gesundheit: Der Gesetzgeber verpflichtet die Betreiber von Stromleitungen, dass jederzeit die Grenzwerte von elektrischen und elektromagnetischen Feldern eingehalten werden müssen, andernfalls können diese nicht genehmigt werden. Bei Gleichstromerdkabeln –wie sie beispielsweise beim SuedLink geplant sind– liegen die entstehenden magnetischen Felder im Bereich des Erdmagnetfeldes (ca. 40-50 Mikrotesla) und damit deutlich unterhalb des vom Gesetzgeber festgelegten Grenzwerts von 500 Mikrotesla bei Gleichstromleitungen. Die Grenzwerte für niederfrequente elektrische und magnetische Felder sowie statische Magnetfelder sind in der 26. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (26. BImSchV) festgelegt, die im August 2013 novelliert wurde. Die Grenzwerte basieren auf Empfehlungen der Internationalen Kommission zum Schutz vor nichtionisierenden Strahlen (ICNIRP), der deutschen Strahlenschutzkommission (SSK) sowie wissenschaftlicher Gremien der Weltgesundheitsorganisation (WHO), insbesondere der International Agency for Research on Cancer (IARC). Weitere Infos zum Thema, zu wissenschaftlichen Gutachten und zu einem Informationsfilm finden Sie auf der Website des Bundesamtes für Strahlenschutz: http://www.bfs.de/DE/themen/emf/netzausbau/netzausbau_node.html

Antwort von Redaktion, 16. Februar 2018

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