Technik
0Kommentare
Dafür stimmen

Wie breit ist die Trasse bei der Erdverlegung?
Warum scheidet die Freileitungsverlegung aus?

Frage von Roland B., 08. März 2019

Die Trassebreite hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zum einen spielt es eine Rolle, ob es sich um eine Wechselstrom- oder Gleichstromleitung handelt zum anderen, welche Kabelstärke in Frage kommt und wie viel Strom durch die Leitung fließen soll.

Bei einer Wechselstromleitung als Erdkabel im Höchstspannungsbereich – die auch als Höchstspannungs-Drehstrom-Übertragung (HDÜ) bezeichnet wird – kommt es zur sogenannten Systemverdopplung, das heißt: Zwei Freileitungssysteme mit sechs Bündelleitern gehen in vier Kabelsysteme mit insgesamt zwölf einzelnen Kabelsträngen über: https://www.netzausbau.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/Poster_Technik_EK.pdf?__blob=publicationFile.

Hinsichtlich der Trassenbreite gilt es zwischen der im Bau befindlichen und der endgültigen Trasse zu unterscheiden. Laut dem Übertragungsnetzbetreiber TenneT kann während der Tiefbauarbeiten "die benötigte Trassenbreite bei vier Kabelsystemen 40 bis 50 Meter betragen. Grundsätzlich werden die Kabel parallel nebeneinander gelegt, um eine gleichmäßige Temperaturverteilung zu gewährleisten. Zur Verkürzung der Bauzeit werden zunächst Leerrohre verlegt und nach Bettung der Erdschichten die Kabel eingezogen. Um eine landwirtschaftliche Nutzung des Geländes über dem Kabelgraben zu ermöglichen, beträgt die Verlegetiefe rund 1,60 Meter. Nach Bauabschluss beträgt die Grabenbreite inklusive des Schutzstreifens 20 bis 30 Meter." (Quelle: https://www.tennet.eu/fileadmin/user_upload/Our_Grid/Onshore_Germany/Allgemein/160308_AC_Erdkabelbroschuere.pdf)

Bei einer Gleichstromleitung als Erdkabel im Höchstspannungsbereich – die als Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) bezeichnet wird – ist es anders. Je nachdem, wieviel Strom durch die Leitung fließen soll und welche Stromstärke die Kabel (320kV oder mehr) übertragen können, können in der Regel bis zu vier Kabelgräben erforderlich werden. Der Übertragungsnetzbetreiber TenneT schreibt dazu: "Die gesamte Trassenbreite einer Stammstrecke im Betrieb beträgt circa 30 Meter. Sie umfasst bis zu vier Kabelgräben inklusive Zwischenräume sowie äußere Schutzabstände von jeweils 3 Metern. Der Arbeitsstreifen hat während der Bauarbeiten eine Breite von etwa 40 Meter, die abhängig von lokalen Bedingungen und Bodenverhältnissen variieren kann. Das hängt im Wesentlichen von der Anzahl der zu trennenden Bodenschichten sowie der Anzahl und Breite der Baustraßen ab." (Quelle: https://www.tennet.eu/fileadmin/user_upload/Our_Grid/Onshore_Germany/SuedLink/sl_korridor_1703/SuedL_Broschuere_HGUE_Technik.pdf)

In unserem Infopapier "Erdkabel und Freileitung" finden Sie weitere Informationen inkl. entsprechender Grafiken zum Thema.

Für die beiden Gleichstromtrassen SuedLink und SuedOstLink hat der Gesetzgeber einen Erdkabel-Vorrang gesetzlich vorgeschrieben, d.h. diese Leitungen sollen "vorrangig" als Erdkabel verbaut werden. Das heißt jedoch nicht, dass Freileitungsabschnitte grundsätzlich ausgeschlossen sind. Laut § 3 Absatz 2 Bundesbedarfsplangesetz (BBPlG) kann eine Leitung als Freileitung errichtet werden, wenn ein Erdkabel gegen das Bundesnaturschutzgesetz (§ 44 Absatz 1 auch in Verbindung mit Absatz 5 und § 34 Absatz 2) verstieße und eine Freileitung eine zumutbare Alternative wäre (nach § 45 (7) Satz 2 und § 34 (2) des Bundesnaturschutzgesetzes - BNatschG). Dies gilt auch, wenn die Leitung in oder neben einer bestehenden oder zugelassenen Hoch- oder Höchstspannungsfreileitung errichtet werden soll und keine zusätzlichen Umweltauswirkungen zu befürchten sind. Zusätzlich kann der Bau einer Freileitung erfolgen, wenn eine Gebietskörperschaft (z.B. eine Gemeinde) bei einer der im Planungs-und Genehmigungsverfahren abgehaltenen Antragskonferenzen ein sogenanntes Freileitungsprüfverlangen beantragt hat. Der Vorhabenträger ist dann beauftragt, die Möglichkeit einer Freileitung in der jeweiligen Region zu prüfen und kann diese dann im weiteren Verlauf der Planung als Alternative zum Erdkabel vorschlagen, oder nicht. Wenn er keine Freileitung vorschlägt, kann die Bundesnetzagentur dennoch selbige verlangen, in diesem Fall aber nur, wenn ein Freileitungsprüfverlangen der Gebietskörperschaft vorliegt.

Hinsichtlich Höchstspannungs-Drehstrom-Übertragung (HDÜ) hat der Gesetzgeber für einige Vorhaben im Bundesbedarfsplangesetz (BBPlG) nach § 4 Abs. 1 eine abschnittsweise Erdverkabelung ermöglicht, wie beispielsweise beim Vorhaben Nr. 7 BBPlG von Stade nach Landesbergen. Diese sind als Pilotprojekte gekennzeichnet. Grundsätzlich gilt im Wechselstrombereich ein „Freileitungsvorrang“. Erdkabel sind nur unter den engen Grenzen der oben genannten gesetzlichen Regelungen möglich und auch nur in „Teilabschnitten“. Sind die gesetzlichen Bedingungen für eine Teil-Erdkabelverlegung erfüllt, hat der Vorhabenträger ein Wahlrecht, die Höchstspannungsleitung entweder als Freileitung oder als Erdkabel zu verwirklichen. Sollte die zuständige Genehmigungsbehörde eine Teil-Erdverkabelung für einen Abschnitt verlangen, ist der Vorhabenträger nach § 4 Abs. 2 S. 3 BBPlG dazu gesetzlich verpflichtet.

Antwort von Redaktion, 15. März 2019

Kommentare

Bis jetzt wurden keine Kommentare geschrieben.

Kommentar schreiben

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Sie wird nur zur persönlichen Beantwortung von Fragen und bei eventuellen Rückfragen verwendet. Mehr dazu in unseren Informationen zum Datenschutz.