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Wie hoch ist der Wirkungsgrad des Energietransfers von Schleswig- Holstein nach Bayern ?

Wenn ich in Heide (SH) 1kwh ins Netz einspeise. Wieviel wh kommen in Landhut (By) davon an?

Frage von Gabriel L., 12. Oktober 2018

Wieviel Strom in Landshut ankommt, hängt von der Art der eingesetzten Technik und von der Zusammensetzung des Kabels ab. Das heißt, es ist zu unterscheiden, ob die Wechselstrom- oder die Gleichstrom-Technik zum Einsatz kommt. Legt man die Zahlen von Prof. Rainer Horn von der Uni Kiel zu Leitungsverlusten (siehe Seite 10 "Effektivität der Leitungssysteme) zugrunde, würde beim Einsatz von einer 110kV-Wechselstrom-Leitung in Landshut noch ca. 58 Prozent des in Heide eingespeisten Stroms ankommen. Würde man die Strommenge dagegen per Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungstechnik (HGÜ) übertragen, würden dagegen ca. 93,6 Prozent des Stroms in Landshut ankommen. Das ist bei 1kwh natürlich nur theoretisch gerechnet.    

Die Deutsche Energieagentur (DENA) beschreibt in ihrer „Technologieübersicht. Das deutsche Höchstspannungsnetz: Technologien und Rahmenbedingungen“ aus dem Jahr 2014 die Verluste eines HGÜ-Systems wie folgt: 
„Die gesamtsystemischen Verluste gliedern sich in die verbindungslängenunabhängigen Umwandlungsverluste, die in den Umrichterstationen entstehen, sowie in die Übertragungs- bzw. Leitungsverluste. Typische Umwandlungsverluste je Umrichterstation für einen Betrieb mit Bemessungsleistung liegen bei 0,85 % bei einer Bemessungsleistung von 500 Megawatt (MW) und 0,75 % bei 1.000 MW. Die Übertragungsverluste der HGÜ-Technologie sind von der Ausführung der Trasse und deren Auslastung abhängig und können bei größeren Leitungslängen und je nach Auslastungsprofil der Leitung erheblich niedriger als bei einer Höchstspannungs-Drehstrom-Übertragungs-Leitung (HDÜ) sein. Der Vergleich der Wirkverluste einer 380-kV-Drehstrom-Trasse mit einer bipolaren ±400-kV-Gleichstromtrasse von jeweils 100 km Länge weist ohne Berücksichtigung der Umrichterverluste beispielsweise bei einer Übertragungsleistung von 1.000 MW ein Verhältnis von ca. 16 MW zu 9 MW auf (Viererbündelleiter mit 265/35Al/St Leiterseilen).“ 

Bei einer Übertragungsleistung von 1.000 MWh hat das HGÜ-System einen Verlust von 0,9 MWh/100 km, zusätzlich 0,8 MWh pro Konverter. Ein HDÜ-System mit gleicher Leistung hat 1,6 MWh Verluste. Hochgerechnet auf 500 km Leitungslänge bedeutet das: 
HDÜ: 5 x 1,6 MWh = 8 MWh Verlust (dieser Wert bezieht sich ausschließlich auf die Wirkleistung, hier müssten die Verluste in den Kraftwerken und den Transformatorstationen noch berücksichtigt werden)
HGÜ. 5 x 0,9 MWh = 4,5 MWh (plus 1,6 MWh für die Konverter) = 6,1 MWh Verlust

Da die geplanten HGÜ- Leitungen Südlink und Südostlink eine Leitungslänge von jeweils über 600 km aufweisen, wird der Einsatz der Hochspannungs-Gleichstromtechnologie als gerechtfertigt bewertet. 
Antwort von Redaktion, 15. Oktober 2018

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