Auf einen Blick: Änderungen im NEP 2024

09. November 2015

Mit der Energiewende soll der Umstieg auf eine sichere und zukunftsfähige Energieversorgung auf Basis der Erneuerbaren Energien gelingen. Damit dieses Ziel erreicht werden kann, muss die bundesdeutsche Kraftwerksstruktur umgebaut werden. Dazu sollen schrittweise einzelne Kohlekraftwerke abgeschaltet werden, bis 2022 sollen zudem alle Kernkraftwerke vom Netz gegangen sein. Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, wird gleichzeitig die Nutzung erneuerbarer Energiequellen vorangetrieben.

Das zukünftige Stromerzeugungssystem wird dezentraler sein

Während Kernkraftwerke und große Gas- und Kohlekraftwerke in Süd- und Westdeutschland über viele Jahrzehnte die dortigen Ballungsräume mit Strom versorgt haben, liegen die neuen Kraftwerke häufig weit entfernt von den Verbrauchszentren. So muss vor allem der in Nord- und Ostdeutschland produzierte Windstrom zu den Verbrauchsschwerpunkten im Süden und Westen transportiert werden können. Da Energiequellen wie Wind und Sonne zudem nicht durchgängig die gleiche Strommenge liefern, treten bei der Stromerzeugung Schwankungen auf, die möglichst großräumig ausgeglichen werden müssen. Nur so kann zu jeder Zeit eine sichere Stromversorgung gewährleistet werden.

Herausforderungen für das Stromnetz

Damit ganz Deutschland auch in Zukunft sicher und verlässlich mit kostengünstigem Strom versorgt werden kann, sind Um- und Neubauten im Stromnetz erforderlich. Denn die bestehenden Überlandleitungen sind für einen großräumigen Energietransport häufig nicht ausgelegt und geraten an ihre Grenzen. Welche Maßnahmen aus Sicht der Netzbetreiber bis zum Jahr 2024 notwendig werden, hatten diese in einem aufwändigen Verfahren berechnet und im Netzentwicklungsplan dargelegt.

Bundesnetzagentur bestätigt NEP

Die Bundesnetzagentur als zuständige Genehmigungsbehörde hat die Notwendigkeit jeder einzelnen Maßnahme überprüft und dabei unabhängige wissenschaftliche Institute mit einbezogen. Mit dem Netzentwicklungsplan (NEP) für das Jahr 2024 hat sie nun 63 der 92 vorgeschlagenen Maßnahmen zum Netzausbau bzw. zur Netzverstärkung als notwendig bestätigt.

Insgesamt müssen danach 2.750 km Leitungen neu gebaut und weitere 3.050 km Leitungen verstärkt oder durch andere technische Maßnahmen optimiert werden. Die meisten Maßnahmen waren bereits im letzten NEP enthalten. Dass es nun noch mehr geworden sind, liegt vor allem daran, dass die Menge der Erneuerbaren Energien immer weiter zu nimmt.

Der NEP beinhaltet keine konkreten Trassenverläufe, sondern definiert nur die Anfangs- und Endpunkte von zukünftigen Leitungsverbindungen. Bei einer der großen Gleichstromverbindungen, dem sogenannten „Korridor D“ (Maßnahme D18), wurden neue Anfangs- und Endpunkte definiert. Statt von Lauchstädt nach Meitingen soll die Leitung nun von Wolmirstedt nach Gundremmingen geführt werden. Die Bundesnetzagentur vermerkt hier zusätzlich, dass aus netztechnischer Sicht auch der Endpunkt Isar/Landshut denkbar wäre.

Ergebnisse der öffentlichen Konsultationen

Vor der Bestätigung wurden die Entwürfe des NEP öffentlich konsultiert. Die eingereichten Stellungnahmen wurden bei der Bestätigung berücksichtigt und werden erstmalig auch in den jeweiligen Projektsteckbriefen aufgeführt und beantwortet. Ebenso beantwortet der NEP häufig gestellte Fragen, beispielsweise wie sich eine dezentralisierte Stromerzeugung, mehr Speicherkapazitäten oder ein optimiertes Lastmanagement auf den Netzausbau auswirken.

Neben den Konsultationsergebnissen gingen auch die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes vom August 2014 (EEG 2014) und die Beschlüsse der Koalitionsspitzen vom Juli 2015 in den NEP 2024 ein. Ebenfalls Berücksichtigung fanden der Beschluss zu einem geringeren Offshore-Windkraft-Ausbau sowie eine Abschaltung von Windenergieanlagen an einigen Stunden im Jahr.

Umweltbericht zum Netzentwicklungsplan prüft Erdverkabelung

Im anhängigen Umweltbericht wurden die potenziellen Umweltauswirkungen der einzelnen Projekte untersucht. Da aufgrund politischer Vorgaben die Erdverkabelung auf bestimmten Strecken einen höheren Anteil bekommen soll, wurden deren potentielle Auswirkungen zusätzlich überprüft, dies insbesondere bei den großen Nord-Süd-Korridoren „Suedlink“ und „Korridor D“.

Planungen auf aktueller Grundlage

Mit der Bestätigung des NEP 2024 können die weiteren Planungen der Netzbetreiber nun auf einer aktualisierten Grundlage erfolgen. Durch die transparente Darstellung und Beantwortung der Stellungnahmen seitens der Bundesnetzagentur können Entscheidungen leichter als bisher nachvollzogen werden. Rechtssicher geplant werden kann aber erst, wenn die Maßnahmen des NEP auch in das Bundesbedarfsplangesetz (BBPlG) aufgenommen worden sind. Ein neues BBPlG tritt voraussichtlich 2016 in Kraft.

Ressourcen:

Netzentwicklungsplan 2024

Umweltbericht zum Netzentwicklungsplan 2014