Natur- und Umweltschutz

Energiewende schaffen, Natur schonen

Die Energiewende sorgt dafür, dass die Energieversorgung in Deutschland immer klima- und umweltfreundlicher wird. Damit sie gelingt, brauchen wir den Um- und Ausbau
des Stromnetzes. Doch wie werden Umwelt- und Naturschutz beim Netzausbau berücksichtigt?

Naturschutz bei der Planung

Der Naturschutz beim Netzausbau beginnt, bevor neue Netzvorhaben geplant werden. Es gilt das NOVA-Prinzip: „Netz-Optimierung vor Verstärkung vor Ausbau“. Es besagt, dass nur dann neu gebaut wird, wenn sich keine eingriffsärmere Alternative finden lässt. Das NOVA-Prinzip
hilft, beim Netzausbau die Auswirkungen für Mensch und Umwelt so weit wie möglich zu vermeiden. Darüber hinaus spielen bei der Netzausbau-Planung gesetzliche Regelungen für den Naturschutz eine wesentliche Rolle, zum Beispiel das Bundesnaturschutzgesetz. Es ist die rechtliche Basis zum Schutz von Natur und Landschaft und regelt, welche Maßnahmen angewendet werden müssen, wenn Eingriffe stattfinden. Zudem ist darin festgelegt, welche Tier- und Pflanzenarten unter gesetzlichem Schutz stehen. Es regelt auch den Schutzstatus bestimmter Gebiete, also was dort erlaubt ist und was nicht. Bei der Netzausbauplanung werden diese Gebiete und Arten besonders berücksichtigt.

Ein Beispiel ist das Europäische Schutzgebietsnetz „NATURA 2000“. Hier sollen heimische Tier- und Pflanzenarten und die biologische Vielfalt besonders gesichert werden. Nur wenn dieser Schutzzweck nicht erheblich beeinträchtigt wird, sind neue Leitungen zulässig.
Bei den in der Bauphase wie auch in der späteren Betriebsphase zu berücksichtigenden naturschutzfachlichen Aspekten unterscheiden sich Freileitungen und Erdkabel grundlegend voneinander.

Naturschutz während der Bauphase

Beim Bau neuer Stromleitungen lassen sich Auswirkungen auf die Natur kaum verhindern. Pflanzen, Tiere und ihre Lebensräume werden vor allem durch Rodungen, den Materialaushub und Baustraßen beeinträchtigt. Durch Baulärm verursachte Störungen können durch die Verwendung von lärmarmen Baumaschinen abgemildert werden. Besonders gefährdete oder sensible Tiere können vor Baubeginn umgesiedelt werden. Während es bei der Freileitung zu mechanischen Belastungen des Bodens bei den Zufahrten zu den Standorten
für Masten, Winden und Trommelplätze kommt, sind die Auswirkungen auf den Boden bei der Verlegung von Erdkabeln deutlich größer. Hier muss in der Regel entlang der gesamten Trassenlänge eine eigene Baustraße für die Bewegung von schwerem Gerät und Kabeltrommeln angelegt werden. Auch der Bodenaushub bei einem Erdkabel ist ungleich größer. Damit die ursprüngliche Qualität des Bodens wiederhergestellt werden kann, müssen die unterschiedlichen Bodenschichten bis zur Wiederverfüllung getrennt voneinander gelagert und Bodenvermischungen, -verdichtungen und -verunreinigungen vermieden werden. Eine Absenkung des Grundwasserspiegels kann temporäre Beeinträchtigungen des Wasserhaushaltes nach sich ziehen.

Durch eine bodenkundliche Baubegleitung und andere geeignete Maßnahmen lassen sich viele Beeinträchtigungen minimieren. Dazu gehören zum Beispiel zeitliche Einschränkungen der Bauarbeiten, etwa während der Brutzeit von Vögeln oder ungünstiger Witterungsverhältnisse.
Die Veränderung der Bodenstruktur kann durch besondere Grabungstechniken oder das Verlegen spezieller Bodenschutzmatten verringert werden. Unerwünschte Drainagewirkungen lassen sich durch den Einbau von Tonriegeln oder entsprechenden Abfangsammlern reduzieren.

Die Auswirkungen von Netzvorhaben auf die Umwelt werden sowohl in der Grob- als auch in der Feinplanungsphase eingehend geprüft. Schon für die Netzentwicklungsplanung untersucht die Bundesnetzagentur im Rahmen einer strategischen Umweltprüfung (SUP) großräumig mögliche Folgen für Menschen (inkl. Gesundheit), Tiere, Pflanzen, biologische Vielfalt, abiotische Umwelt, Landschaft usw. Zusammengefasst in einem Umweltbericht werden die Ergebnisse der SUP gemeinsam mit den geprüften Entwürfen der Netzentwicklungspläne öffentlich zur Konsultation gestellt. In der Bundesfachplanung (bzw. dem Raumordnungsverfahren) unterstützt eine weitere SUP die Entscheidung für einen Trassenkorridor.
Im anschließenden Planfeststellungsverfahren übernimmt die zuständige Genehmigungsbehörde die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP). In dieser
wird sehr viel kleinräumiger als in der SUP untersucht, welche Auswirkungen auf Naturschutzgüter durch das Vorhaben zu erwarten sind.

Quelle: Eigene Darstellung nach Bundesamt für Naturschutz