Versorgungssicherheit

Netzausbau und Versorgungssicherheit

Die Stromversorgung in Deutschland ist im Vergleich mit anderen Industrienationen traditionell sehr sicher. Der System Average Interruption Duration Index (SAIDI) zeigt, dass Stromausfälle in Deutschland seit 2006 durchschnittlich von immer kürzerer Dauer sind. Dabei geht es um lediglich wenige Minuten im Jahr. Dies ist ein großer wirtschaftlicher Vorteil. Um die Versorgungssicherheit weiterhin auf einem hohen Niveau zu halten, soll das Übertragungsnetz aus­gebaut werden.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie über­wacht kontinuierlich die Versorgungssicherheit mit Elektri­zität. Denn erforderliche Investitionen in Kraftwerke und Netze benötigen mitunter erhebliche Vorlaufzeiten. Im Mit­telpunkt des Monitorings steht die Frage, ob und inwieweit die Unternehmen, die für Stromerzeugung, ­übertragung und ­verteilung zuständig sind, ausreichend dafür sorgen, dass die Nachfrage nach Strom heute und in Zukunft sicher gedeckt ist.

SAIDI-Index: Spiegelt die durchschnittliche Versorgungsunterbrechung je angeschlossenen Letztverbraucher innerhalb eines Kalenderjahres wider. Entnommen von der Seite der BNetzA

Versorgungssicherheit und Energiewende

Ein zentrales Ziel des Energiewirtschaftsgesetzes ist, dass die Allgemeinheit sicher mit Elektrizität und Gas versorgt wird. Allerdings stellen die Energiewende und der zuneh­mende europäische Stromhandel die deutschen Strom-­ und Gasnetze vor große Herausforderungen.

Durch den Ausbau der erneuerbaren Energien verschieben sich die Schwerpunkte der Stromerzeugung. Bis 2022 wer­den alle noch laufenden Kernkraftwerke vom Netz genom­men. Diese stehen jedoch häufig dort, wo viel Energie benötigt wird – etwa in süddeutschen Ballungsräumen mit energieintensiver Industrie.

Diese Lücke können regenerative Energien vor Ort auf absehbare Zeit nicht schließen. Deshalb entstehen große Windparks – vor allem in Ost­ und Norddeutschland und sogar auf See. Der dort erzeugte Strom muss zum Verbrau­cher transportiert werden. Das bestehende Netz stößt aller­dings bereits jetzt an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit.

Wie Versorgungssicherheit gelingen kann?

Die Netzbetreiber sind zu einem sicheren, zuverlässigen und diskriminierungsfreien Netzbetrieb verpflichtet. Dieser umfasst:

Netzoptimierung und -ausbau:

Neben dem Ausbau der Erneuerbaren Energien ist ein gut ausgebautes Übertragungs­netz essenziell. Um die Energiewende praktisch umzusetzen, sind in Deutschland insgesamt ca. 7.850 Kilometer neue, optimierte oder verstärkte Stromleitungen vorgesehen.

Engpassmanagement:

Zum Engpassmanagement gehören alle Maßnahmen, die ein Netzbetreiber einsetzen kann, um Leitungsüberlastungen durch Netzengpässe in seinem Netz zu vermeiden oder zu beheben. Dazu stehen ihm verschie­dene Werkzeuge zur Verfügung, die gesetzlich geregelt sind.

Erzeugungskapazitäten:

Genauso wichtig wie zuverlässige Übertragungsnetze sind ausreichende Erzeugungskapazitäten, die den bestehenden und prognostizierten Energie­verbrauch abdecken. Die Bundesnetzagentur erfasst daher alle Kraftwerke ab einer bestimmten Größe in einer Liste, welche die Grundlage für den Szenariorahmen bei der Netz­ entwicklungsplanung ist.

Netzreserve:

Ab 2020/2021 werden außerhalb des Strom­marktes Leistungskapazitäten in Höhe von 2 Gigawatt (GW) vorgehalten. Sie werden durch Ausschreibungs­verfahren bestimmt, an denen Erzeugungsanlagen, Speicher sowie regelbare Lasten teilnehmen können, die dann ein Rück­kehrverbot in den Markt erhalten. Wenn auf dem Markt nicht ausreichend Leistung bereit gestellt werden kann, dürfen diese auf Signal der Übertragungs­netzbetreiber ihre Leistung erhöhen.

Kapazitätsreserve:

Diese wird jedes Jahr im Winterhalb­jahr gebildet, um Kraftwerkskapazitäten für Netzeingriffe vorzuhalten. So können bspw. Netzengpässe, die durch eine zu hohe Stromproduktion in norddeutschen Windparks entstehen, ausgeglichen werden. Die so eingesetzten Kraft­werke laufen nicht im Regelbetrieb, sondern werden erst zugeschaltet, wenn die Bundesnetzagentur dies fordert. Für den Winter 2019/2020 betrug der Bedarf an Erzeugungs­kapazitäten aus Netzreservekraftwerken 5.126 Megawatt (MW). Im Jahr 2022/2023 werden aktuell Netzreservekraftwerke mit 10.647 MW Leistung benötigt.

Sicherheitsbereitschaft für Braunkohlekraftwerke:

Acht Blöcke von Braunkohlekraftwerken mit einer Gesamtleis­tung von 2,7 GW werden schrittweise in die Sicherheits­bereitschaft überführt. Sie sind vorläufig stillgelegt und werden für den Fall vorgehalten, dass die Stromproduktion ­ einschließlich aller regulären Sicherheitsmaßnahmen nicht ausreichen könnte. Spätestens im Jahr 2023, werden sie end­gültig stillgelegt.

 

Besondere netztechnische Betriebsmittel:

Besondere netztechnische Betriebsmittel in Höhe von 1,2 GW sollen ab 2022 das Netz nach Ausfällen wieder in einen sicheren Zustand bringen.